Dich todte der Kinder Erinnys, dich,
Und das blutige Recht!
Medeia.
Wo hört dich ein Damon oder ein Gott,
Meineidiger, der Gastfreunde berückt?
Jason.
Weh', Frevlerinn, weh, Kindsmorderinn, dir!
1365
Medeia.
Geh' hin in das Haus und bestatte dein Weib.
Jason.
Ich gehe, der beiden, der Kinder beraubt.
Medeia.
Noch jammerst du nicht: harre des Alters.
Jason.
theuerste Sohne!
Medeia.
Der Mutter, nicht dir.
Jason.
Und du mordest sie doch?
1370
Medeia.
Dich kränkt ich damit.
1370
Jason.
Ich Unglückseliger sehne mich, ach!
An den Mund der Geliebten zu fügen den Mund.
Medeia.
Nun sprichst du sie an, nun kosest du sie,
Und verstießest sie einst!
Jason.
Dvergonne mir, ach!
Zu berühren die Wang' und den lieblichen Mund.
1375
Medeia.
Niemals! In die Lüfte verscholl dein Wort.
Jason.
Zeus, hortest du, wie man mich ausstößt, ha!
Was dulden ich muß von der Löwinn hier,
Die frevelnd die eigenen Kinder erschlug?
Doch was ich kann und so laut ich vermag,
1380
So jammer' ich laut zu den Göttern empor,
Und rufe sie auf als Zeugen, wie Du
Mir gemordet die. Sohn' und die Todten sodann
Zu berühren verwehrst und zu bergen im Grab!
Ach, zeugt' ich sie niemals! Såh' ich sie nie
1385
Von der eigenen Mutter erschlagen!
Chor.
Viel ordnet und schafft im Olympos Zeus,
Auch Vieles verhängt unerwartet sein Rath,
Und was du gehofft, vollendet sich nicht:
Zum Unmoglichen findet die Bahn ein Gott.
1390
So endete dieses Begegniß.
Medea. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .