Euripides Medea 1181

Johann Jakob Christian Donner (Translator)

Nun hatt' ein rascher Läufer wohl das Ziel erreicht,
Der auf der weitgestreckten Bahn die Füße hebt:
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Da fuhr die Jammervolle, die lautlos und starr
Mit zugeschlossnen Augen lag, wildstihnend auf;
Denn doppelt zog Verderben wider sie heran.
Der goldne Kranz um ihre Schlafe, (wunderbar!)
Er stromte Glut von allverzehrendem Feuer aus;
1160
Das feine Kleid, das deine Kinder ihr verehrt,
Schmiegt' an der Armen weißes Fleisch sich zehrend an.
Sie flieht, vom Thron' aufspringend, durch die Flamm' erfaßt,
Und schuttelt hierhin, schuttelt dorthin Haupt und Haar,
Den Kranz hinwegzuschleudern; doch fest hafteten
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Des Goldes Fesseln, und es flammt', indessen sie
Die Locken schuttelt, zweimal noch so stark die Glut.
Sie stürzt, erliegend ihrem Leid, zur Erde hin,
Unkenntlich Allen, nur erkannt vom Vater noch;
Denn weder sah man ihrer Augen Lage, noch
1170
Ihr edles Antliz, und das Blut entsprudelte
Der Scheitel und vermischte mit dem Feuer sich;
Wie Fichtenthrånen, troff das Fleisch, vom Körper sich
Ablåsend, durch des Giftes unsichtbare Wuth;
Ein klåglich Schauspiel! Anzurühren scheun wir uns
1175
Die Todte; denn vorsichtig macht' uns ihr Geschick.
Dem armen Vater ahnte Nichts von solchem Leid;
Zum Hause kommt er eilend, sinkt zur Todten hin,
Und stöhnt in bittern Klagen, und umschlingt und küst
Den Leichnam, also sprechend: „unglückselig Kind!
1180
Ha, welche Gottheit hat so schmachvoll dich entseelt,
Wer dich dem Greise, der am Rand des Grabes steht,
Geraubt? D Tochter, wehe, stürb' auch ich mit dir!"
Als er zu klagen und zu jammern aufgehört,
Emporzurichten strebt' er da den greisen Leib;
1185
Doch, wie der Epheu an des Lorbers Zweigen, hing
Er fest am Kleide: nun begann ein grauser Kampf.
Sein Knie herauszuziehen müht der Alte sich,
Sie zog es rückwärts; rang er dann gewaltiger,
So riß er zerrend sich das Fleisch vom Körper ab.
1190
Zulezt erlosch das Leben und der Geist entfloh 1
Dem Armen; nicht mehr siegt er über sein Geschick.
Nun liegen sie, die Tochter und der Vater, todt
Beisammen: thränenwürdig ist ein solches Loos8.
Zu rathen, was dir frommen mag, enthalt ich mich;
1195
Denn selbst erkennst du, wie du deiner Straf entrinnst.
Doch nicht zuerst heut acht' ich alles Menschliche
Für einen Schatten, und erkläre sonder Scheu:
Die klug sich dunken und mit Rednereien viel
Sich wissen, seh' ich als die größten Thoren an.
1200
Denn auf der Welt lebt Keiner, der glückselig ist;
Und stromte Reichthum dir in Fülle zu, du magst
Vor Andern glücklich, aber nie glückselig sein.

Medea. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .

Current edition Experimental

German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) (German) (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.)

Provisional text from uncorrected OCR; expect errors.

Editions (1)
Μήδεια Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.) — 1251-1292 focus
Translations (2)
Medea Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.) — 1251-1290 focus
Medea (OCR draft) Experimental (Medea. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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Notes on the current edition

Medea

1. [OCR note; compare the printed page.] 2. ἀπέσβη. Compare printed p. 284