Euripides Alcestis 280-430

Edward P. Coleridge (Translator)

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Alcestis. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1906.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by Tufts University.

Current edition Perseus

Alcestis (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.)

Editions (1)
Ἄλκηστις Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.) — 280-434 focus
Translations (2)
Alcestis (OCR draft) Experimental (Alcestis. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 280 focus
Du siehst, Admetos, wie mein Loos gefallen ist;
Drum, eh' ich sterbe, sag' ich meine Wünsche dir.
275
Ich liebe dich, und hoher als mein Leben galt
Mir dieses, daß du fürder såhst der Sonne Licht;
So sterb' ich denn statt deiner, konnt' ich leben auch,
Und wen ich wollte, freien aus Thessalia,
Ein Haus bewohnend, hochbeglückt im Herrscherglanz.
280
Mich lockte nicht ein Leben, losgetrennt von dir,
Mit vaterlosen Kindern, und ich schonte nicht
Der Jugendblüte Gaben, die mein Herz erfreut.
Dein Vater, deine Mutter zwar verriethen dich,
Da Sterben ihnen wohl geziemt' als Velteren,
285
Und wohl, den Sohn zu retten durch ehrvollen Tod;
Denn du allein bliebst ihnen, und sie konnten nicht
Auf andre Kinder hoffen, starbest du dahin.
Ich lebte dann, und du vertrauertest nicht allein
Dein künftig Leben, deines Ehgemahls beraubt, 1
290
Noch müßtest Waisen auferziehn. Doch dieses hat
Gefügt der Götter einer, daß es so geschah.
Wohlan, gedenke du mir nun an solche Gunst;
Denn nicht um eine gleiche fleh' ich je dich an,
(Nichts auf der Welt ist edler als das Leben ja,)
295
Gerechtes bitt' ich, was du selbst bekennen wirst;
Du liebst wie ich die Kinder, wenn du weise denkst.
Erziehe sie zu meines Hauses Erben auf,
Führ' ihnen nicht ein fremdes Weib als Mutter zu,
Die boser, als Alkestis, und aus scheelem Neid
300
Die Hand an deine Kinder und an meine legt.
Nicht also thu' an ihnen, ich beschwore dich.
Stiefmütter sind den vorgebornen Kindern gram,
Ja, sind um nichts gelinder, als der Schlange Brut.
Wohl hat der Sohn am Vater eine starke Wehr;
305
Doch was, o Tochter, wird hinfort dein Schicksal sein,
Wenn, welch ein Weib? sich deinem Vater anvermählt,
Die bösen Ruf auf deinen Namen bringt, und so
In deiner Jugendblüte dir die Freier raubt?
Denn nicht die Mutter wird dich einst ausstatten, Kind,
310
Wird bei Geburten nimmer dich ermuthigen,
Dir nahe, wo Nichts holder als die Mutter ist.
Denn sterben muß ich, und mir kommt nicht morgen erst,
Und auch an dritten Tage nicht das Misgeschick;
Gleich zählt man mich zu denen, die gewesen sind.
315
Lebt wohl in Freuden! Rühmen darfst du, mein Gemahl,
Daß du der Frauen beste dir erlesen hast,
Ihr, daß die beste Mutter euch beschieden ward. 2
Geschehn, geschehn wird's: fürchte nicht! Du warest ja
Die Meine lebend, und allein im Tode wirst
Du meine Gattinn heißen, und an deiner Statt
Nennt kein thessalisch Madchen je sich meine Braut.
Wohl Keine war so edlen Vaters Kind, und sonst
325
Erreicht an Körperschone dich kein andres Weib.
Genug der Kinder hab' ich; laßt an ihnen mich,
Götter, Freud' erleben! Dich genoß ich nicht.
Und Trauer, Theure, trag' ich nicht ein Jahr um dich;
So lange wird sie dauern, als mein Leben währt.
330
Die mich geboren, hass ich, auch dem Vater bin
Ich gram; mit Worten liebten sie, nicht durch die That.
Du aber gabst dein Liebstes für mein Leben hin,
Und hast mich so gerettet; und ich seufzte nicht,
Dein, solches Ehgemahles, mich beraubt zu sehn?
335
Gastmåhler, Freudenfeste werd' ich fliehn hinfort,
Und Kränz' und Lieder, die zuvor mein Haus erfüllt;
Denn nie berühren werd' ich mehr das Barbiton,
Noch mich begeistern zum Gesang bei libyschen
Festsloten; denn du raubtest alle Wonnen mir.
340
Von eines Künstlers Meisterhand gebildet, wird
Vor meinem Lager aufgestellt dein Ebenbild;
Dort hingesunken, und die Hånd' umschlingend ihm,
Und deinen Namen rufend, werd' ich wähnen, dich
Im Arm zu halten, Liebe, die doch ferne weilt.
345
Traun, eine nichtige Freude; dennoch werd' ich so
Des Herzens Last erleichtern. Auch im Traume wirst
Du nah'n und mich erquicken; ist es doch so suß,
Auch Nachts den Freund zu sehen, wann er kommen mag.
Doch hått ich Orpheus' Lieder, hått' ich seinen Mund,
350
Daß ich den Schattenherrscher und Demeters Kind 3
Durch Lieder rührend, dich entführt' aus Hades' Haus:
Ich stieg hinab; und weder Plutons Beller, noch
Der Seelenschiffer Charon hielte mich zurück,
Dich lebend heimzuführen an des Tages Licht.
355
Erwarte dort denn bis zu meinem Tode mich,
Ein Haus bereite, wo du wohnest mir vereint.
In Einem Cedersarge. sollen Diese mich
Zu dir bestatten, und an deiner Seite wird
Die meine ruhen; auch im Tode mocht ich nie
360
Von dir getrennt sein, die allein mir Treue hielt.
Ihr selbst, o meine Kinder, habt des Vaters Wort
Nunmehr vernommen, daß er nie ein andres Weib
365
Als Mutter euch zuführen und mich hohnen wird.
weh, welches Loos!
Meine Mutter ist hinabgegangen, weilt nicht mehr,
Vater, im Sonnenlicht;
Sie verlief, (die Unselige,)
Machte zur Waise mich!
390
Sieh nur, siehe die starren Augen, die starre Hand!
vernimm mich, vernimm mich, ach Mutter,
Dich beschwör' ich! Ia dir, ja dir
Rus ich nun, o Geliebte, nach,
Sinke, dein armes Kind, Mutter, an deine Lippen.
395
Sie sieht dich nicht mehr, noch vernimmt sie deinen Ruf;
Getroffen hat ein schweres Unheil mich und euch.
Gegenstrophe.
So jung, Vater, schon
Steh' ich einsam, und die theure Mutter fehlt mir. Weh,
Grausames Schicksal, das
400
Ich erdulde!
Und du leidest mit mir, mein Schwesterchen. Vater, ach!
Wie vergeblich, vergeblich war's, daß du
Ihr Gemahl wardst! Du kamst mit ihr
Nicht in's Alter; sie starb zuvor.
405
Unser Geschlecht vergeht, Mutter, mit deinem Tode!
Dies Loos, Admetos, tragen heißt die strenge Noth.
Denn nicht der erste bist du, noch der lezte Mann,
Der solch ein edles Weib verlor. Erkenne denn,
Den Tod bezahlen alle wir als eine Schuld.
410

Notes on the current edition

Alcestis

1. Nauck suspects this line, and Hirzel thinks the two next are spurious.
2. Paley encloses this line in brackets as suspicious. Nauck omits it in his text.