Dort naht sich uns Admetos, dieses Landes Fürst;
Dahergeschritten kommt er aus dem Hause selbst.
Admetos.
Heil dir, Kronions hoher Sohn aus Perseus' Blut!
Herakles
Heil, Heil auch dir, Admetos, Fürst Thessalia's!
Admetos.
Wohl wünscht' ich das mir; doch ich weiß, du bist mir hold.
500
Herakles.
Warum erscheinst du trauernd mit geschornem Haupt?
Admetos.
Bestatten will ich einen Todten heute noch.
Herakles.
Von deinen Kindern wend' ein Gott dies Uebel ab!
Admetos.
Im Hause drinnen leben, die ich einst erzeugt.
Herakles.
Reif war der Vater, wenn der Tod ihn dir geraubt.
505
Admetos.
Auch er und meine Mutter lebt, o Herakles.
Herakles.
Doch nicht Alkestis, deine Gattinn, starb dahin ?
Admetos.
Erwiedern kann ich über sie Zwiefaches dir.
Herakles.
Sprichst du von einer Todten oder Lebenden?
Admetos.
Sie ist, und ist nicht, und versenkt in Trauer mich.
510
Herakles.
So weiß ich mehr nicht; denn du sprichst in Räthseln mir.
Admetos.
Nicht weißt du, welches Schicksal sie bestehen soll?
Herakles.
Wohl weiß ich, daß sie sterben will an deiner Statt.
Admetos.
Wie lebte sie nun fürder, wenn sie das gelobt?
Herakles.
wein' um sie nicht, ehe sie vollendet hat!
515
Admetos.
Todt ist der Todesnahe, wie der Todte selbst.
Herakles.
Das Sein und Nichtsein acht' ich als Verschiedenes.
Admetos.
Du meinst es so, Herakles, und ich mein' es so.
Herakles.
Was aber weinst du? Welchen Freund nahm dir der Tod?
Admetos.
Ein Weib; des Weibes hab' ich eben schon erwähnt.
520
Herakles.
Und war's ein fremdes, oder ist es dir verwandt?
Admetos.
Ein fremdes, aber nothig sonst im Hause mir.
Herakles.
Wie büßt' in deinem Hause sie das Leben ein?
Admetos.
Hier ward gepflegt die Waise, seit ihr Vater starb.
Herakles.
Alcestis. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .