Dhatt' ich solche Macht von Zeus, um dein Gemahl
Aus Hades' Hause wieder an das Sonnenlicht
zu führen, diesen Liebesdienst an dir zu thun!
1045
Admetos.
Wohl weiß ich, daß du wolltest; doch wie konntest du's?
Die Todten können nimmermehr an's Licht herauf.
Herakles.
Nicht übertreibe, trage, wie's geziemt, den Schmerz.
Admetos.
Leicht ist, ermahnen, doch im Leid ausharren, schwer.
Herakles.
Doch was gewinnst du, wenn du immer seufzen willst ?
1050
Admetos.
Ich selbst erkenn' cs; doch ein Sehnen reißt mich hin.
Herakles.
Die Liebe zur Verstorbnen weckt die Thräne dir.
Admetos.
Sie machte mich elender, als ich sagen kann.
Herakles.
Ein edles Weib verlorst du: wer bestritte das ?
Admetos.
Daß ich des Lebens nimmermehr mich freuen mag.
1055
Herakles.
Die Zeit besanftigt deinen Schmerz; noch ist er neu.
Admetos.
Du nennst die Zeit wohl, ist der Todestag die Zeit.
Herakles.
So heilt ein Weib und neuer Ehe Lust den Gram.
Admetos.
Still! Welche Rede! Nimmer hått' ich das gedacht.
Herakles.
Wie? Willst du nie mehr freien, ewig Wittwer sein?
1060
Admetos.
Nie soll ein Weib an meiner Seite ruhn hinfort.
Herakles.
Und hoffst du, dieses nüze wohl der todten Frau?
Admetos.
Sie, wo sie sei, zu ehren, mahnt mich fromme Pflicht.
Herakles.
Das lob' ich, lob' ich; aber thricht handelst du.
Admetos.
Nie sollst du wahrlich Bräutigam mich nennen mehr.
1065
Herakles.
Ich lobe, daß du treugesinnt der Gattinn bist.
Admetos.
Verrath' ich sie, die Todte, treffe mich der Tod!
Herakles.
So nimm das edle Mädchen hier an deinen Heerd.
Admetos.
Niemals! Bei deinem Vater Zeus beschwor' ich dich.
Herakles.
Schwer wirst du dich verfehlen, thust du dieses nicht.
1070
Admetos.
Und wenn ich's thue, nagt der Gram am Herzen mir.
Herakles.
Gewähre mir die Liebe; wohl noch frommt es dir.
Admetos.
daß du niemals diese dir im Kampf gewannst!
Herakles.
Doch, nun ich einmal siegte, siegtest du mit mir.
Admetos.
Ganz wohl geredet! Doch das Weib entferne sich!
1075
Herakles.
Muß sie, so geht sie; doch erwåg' es noch zuvor.
Admetos.
Sie muß, wofern du mir darob nicht zürnen willst.
Herakles.
Ich weiß um Etwas; dies erweckt mir solchen Wunsch.
Admetos.
So siege; doch gefallen will dein Thun mir nicht.
Herakles.
Du wirst dereinst uns loben; darum folge nur.
1080
(zu den Dienern.)
Admetos.
Ihr führt hinein sie, weil ich doch sie nehmen muß.
Herakles.
Nicht deinen Dienern überlass ich dieses Weib.
Admetos.
So führe sie denn selbst hinein, wenn dir's beliebt.
Herakles.
In deine Hånde, König, übergeb' ich sie.
Admetos.
Ich mag sie nicht berühren; doch sie geh' hinein!
1085
Herakles.
Ich werde sie nur deiner Rechten anvertraun.
Admetos.
Du zwingst, o Herr, mich wider Willen das zu thun.
Herakles.
Streck aus die Hände kühn nach ihr, berühre sie.
Admetos.
Alcestis. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .