Athen kam, entstand dort eine Bestürzung wie nie zuvor.
Weder das Unglück in Sizilien, so groß es damals erschien,
noch sonst ein Ereignis hatte die Stadt jemals so in Schrecken
versetzt: das Heer in Samos in offener Empörung, andere
Schiffe und Mannschaft dafür nicht vorhanden, die Stadt in
Aufruhr, wobei niemand wußte, wie bald es dabei zu blutigen
Zusammenstößen kommen würde, dazu nun noch solch ein Un
glück, durch das man nicht nur eine Flotte, sondern, was das
schlimmste war, auch Euboia verloren hatte, von wo die
Athener mehr als aus Attika selbst bezogen. Was Wunder,
daß sie mutlos wurden? Ihre größte und nächste Sorge aber
war, die Feinde würden nach ihrem Siege sogleich einen An
griff auf den von Schiffen entblößten Peiraieus unternehmen
und jeden Augenblick dort erscheinen. Und wenn diese nur
rascher entschlossen gewesen wären, so würden sie das auch
leicht gekonnt und entweder durch eine Hafensperre die Gegen
sätze in der Stadt verschärft oder durch eine längere Belage
rung die Flotte in Samos trotz ihrer Feindschaft gegen die
Oligarchie genötigt haben, ihren Landsleuten und der Vater
stadt zu Hilfe zu kommen, und Unterdessen wäre der Hellespont,
Ionien mit den Inseln und der ganze Kreis bis Euboia, mit
einem Worte das ganze Reich der Athener ihnen zugefallen.
Aber nicht nur diesmal, sondern auch bei vielen anderen Ge
legenheiten war es für die Athener ein großer Vorteil, daß
sie es mit Lakedämoniern als Feinden zu tun hatten; denn
eben, daß sie so verschieden veranlagt, sie schnell, jene langsam,
sie unternehmend, jene bedenklich waren, kam ihnen den Lake
dämoniern gegenüber, namentlich auch für ihre Seeherrschast,
sehr zustatten. Das konnte man an den Syrakusern sehen.
Denn wie sie den Athenern am ähnlichsten veranlagt waren,
so führten sie auch den Krieg gegen sie mit größtem Erfolg.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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