die eine, die Stadt zur Wiederherstellung der demokratischen
Verfassung zu nötigen, die andere, das Heer für die Oligarchie
zu gewinnen. Die Soldaten beriefen sogleich eine Versamm
lung, in der sie die bisherigen Feldherren und die ihnen ver
dächtigen Trierarchen absetzten und statt ihrer andere, darunter
auch Thrasybulos und Thrasylos, dazu erwählten, auch sich
durch Reden untereinander ermutigten und insbesondere darüber
zu beruhigen suchten, daß die Stadt sich von ihnen getrennt
habe; sei es doch nur eine Minderheit, die sich von ihnen los
gesagt, der sie nicht nur an Zahl, sondern auch an Hilfs
mitteln in jeder Hinsicht überlegen seien. Denn sie, in Besitz
der ganzen Flotte, könnten die untertänigen Orte so gut von
hier wie von Athen aus zur Entrichtung von Abgaben zwingen;
auch hätten sie ja jetzt das mächtige Samos, das im Kriege
den Athenern die Herrschaft zur See ums Haar streitig ge
macht hätte, und könnten von da dem Feinde nach wie vor
die Spitze bieten. Obendrein seien sie, da sie die Flotte be
säßen, eher in der Lage, sich Lebensmittel zu verschaffen als
die Athener in der Stadt. Nur ihnen hier in Samos habe
man bisher die freie Zufuhr von Lebensmitteln nach dem
Peiraieus zu danken, und wenn man ihnen jetzt die Wieder
herstellung der früheren Verfassung nicht zugestehen wollte, so
würde sich zeigen, daß sie eher imstande seien, den Athenern
die See zu sperren als die Athener ihnen. Was sie an Hilfs
mitteln aus der Stadt erhielten, um sich den Feinden gegen
über zu behaupten, sei blitzwenig und nicht der Rede wert,
und was sei ihnen an Leuten verloren, die ihnen weder Geld
schicken, das sich der Soldat jetzt ja selbst verschaffen müßte,
noch nützliche Ratschläge erteilen könnten, worauf man sich
sonst doch in der Stadt besser verstehe als im Heere. Aber
auch darin hätten sie sich dort schwer versündigt, daß sie die
von den Vätern überkommene Verfassung umgestoßen; sie da
gegen wollten sie wieder aufrichten und auch sie dort dazu zu
nötigen suchen, also auch darauf, was dem Staate fromme,
verstehe man sich hier besser als bei ihnen. Und wenn man
Alkibiades Straflosigkeit und freie Rückkehr erwirke, werde er
ihnen mit Vergnügen zur Freundschaft des Königs verhelfen.
Schlimmstenfalls aber, und das sei das Wichtigste, stehe
ihnen mit einer solchen Flotte die weite Welt offen, um sich
irgendwo eine neue Heimat zu gründen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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