von Oropos auf dem kürzeren Landwege über Dekeleia erfolgte,
war jetzt auf den Seeweg um Sunion herum angewiesen und
dadurch verteuert. Überhaupt litt man in der Stadt Mangel
an allem, was von auswärts eingeführt werden mußte, und
die Stadt war zum Heerlager geworden. Am Tage mußten die
Athener abwechselnd an der Brustwehr, bei Nacht aber alle außer
den Reitern entweder auf einem der Sammelplätze oder auf der
Mauer Wache halten und sich Sommer und Winter plagen.
Das drückendste aber war, daß sie gleichzeitig zwei Kriege
führen mußten. Dabei entwickelten sie jedoch einen so rühm
lichen Eifer, wie ihnen vorher niemand zugetraut hätte; denn
wer hätte geglaubt, daß sie, obgleich selbst durch die ihnen
von den Lakedämoniern vor die Tür gebaute Festung so hart
bedrängt, trotzdem Sizilien nicht aufgeben und dort Syrakus,
eine schon für sich allein so mächtige Stadt wie Athen, noch
belagern würden. Solche Kraft und Kühnheit kam den Griechen
völlig unerwartet, da man bei Beginn deS Krieges gemeint,
daß sie wohl ein oder zwei oder auch drei Jahr, keinenfallS
aber länger aushalten würden, wenn die Peloponnesier ihnen
ins Land fielen. Und nun gingen sie, siebzehn Jahr nach dem
ersten Einfall, als ihre Kräfte durch den Krieg bereits aufs
äußerste in Anspruch genommen waren, nach Sizilien und
unternahmen einen zweiten nicht minder weit aussehenden
Krieg wie jenen ersten peloponneisschen. Infolgedessen aber
begannen jetzt, wo ihnen Dekeleia so viel Schaden tat und auch
anderweit große Anforderungen an sie herantraten, ihre Kassen
leer zu werden. Auch legten sie um diese Zeit ihren Unter
tanen anstatt der bisherigen Steuer den Zwanzigsten von allen
zur See ein- und ausgehenden Gütern als Abgabe auf, in
der Meinung, auf diese Weise höhere Einnahmen zu erzielen.
Denn ihre Ausgaben waren gegen früher sehr gestiegen und
um so größer geworden, je mehr der Krieg an Umfang zu
genommen hatte und ihre Einnahmen zurückgegangen waren.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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