zu spät gekommen waren, um bei der augenblicklichen Knapp
heit ihrer Geldmittel Kosten zu sparen, sogleich wieder nach
Hause. Auf dem Rückwege ließen sie sie durch Diitrephes
geleiten, dem sie zugleich unter den Fuß gaben, sich ihrer auf
der Fahrt, die durch den Euripos ging, womöglich zu einem
Handstreich gegen die Feinde zu bedienen. Der ließ sie bei
Tanagra landen, um dort im Fluge etwas zu plündern, und
fuhr dann spät abends mit ihnen von Chalkis auf Euboia
über den Euripos nach Böotien, wo er landete und sie gegen
Mykalessos führte. Die Nacht über blieb er mit ihnen un
bemerkt bei dem etwa sechzehn Stadien von Mykalessos ent
fernten Hermestempel unter freiem Himmel, bei Tagesanbruch
aber überfiel er die Stadt und nahm sie ein, ein unbedeutendes
Städtchen, dessen Bewohner keines Überfalls gewärtig waren
und nie daran gedacht hatten, daß man sie da oben von der
See her einmal überfallen würde. Zudem waren die Mauern
schwach, hie und da verfallen und stellenweise nur niedrig,
auch die Tore, weit man an keine Gefahr glaubte, nicht ge
schlossen. Nun drangen die Thraker in die Stadt, verwüsteten
Häuser und Tempel und richteten unter den Einwohnern ein
Blutbad an, wobei sie weder jung noch alt verschonten, sondern
alles ohne Unterschied, Weiber und Kinder, mordeten, ja selbst
die Ochsen vor den Wagen und was ihnen sonst Lebendiges
vorkam, totschlugen. Denn die Thraker sind eins der rohsten
Barbarenvölker, und in der Wut kennt ihr Blutdurst keine
Grenzen. So kam es auch hier zu entsetzlichen Auftritten und
grauenvollem Würgen in jeglicher Gestalt. Unter anderem
drangen sie in eine Schule, die größte am Orte, als die Kinder
eben gekommen waren, und hieben sie alle nieder. Und dies
beispiellos furchtbare Geschick war über die Stadt mit allem,
was darin war, völlig unerwartet hereingebrochen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.