was es davon gehört, ins Gedächtnis rief, war es damals so
hart und argwöhnisch gegen die, welche wegen Verspottung
der Mysterien beschuldigt wurden, und glaubte nicht anders,
als daß es sich dabei um eine oligarchische Verschwörung oder
um Einführung der Tyrannei gehandelt habe. Infolge der
dadurch hervorgerufenen Erbitterung waren schon viele an
gesehene Männer ins Gefängnis geworfen, und augenscheinlich
ließ diese auch nicht nach, sondern wurde von Tag zu Tag
größer, so daß die Verhaftungen kein Ende nahmen. Da ließ
sich einer der Gefangenen, der für besonders verdächtig galt,
durch einen Mitgefangenen bereden, ein Geständnis abzulegen,
mit dem es nun seine Richtigkeit gehabt haben mag oder nicht.
Das eine ist so gut möglich wie das andere; denn wer die
wirklich Schuldigen gewesen, hat damals und später kein
Mensch mit Sicherheit sagen können. Der stellte ihm vor, um
sein Leben zu retten und der weiteren Schnüffelei in der Stadt
ein Ende zu machen, müsse er, auch wenn er unschuldig sei,
gegen Zusicherung von Straflosigkeit die Tat eingestehen. Denn
wenn er sich durch sein Geständnis Straflosigkeit sichere, habe
er eher Aussicht, mit dem Leben davonzukommen, als wenn er
leugne und vor Gericht gestellt werde. Er gab denn auch sich
und andere als die Urheber des Hermenfrevels an. Das Volk
war über dies Geständnis, dem es vollen Glauben schenkte,
hocherfreut, während es bis dahin sehr ungehalten gewesen
war, daß man den Treibereien seiner Feinde nicht hatte auf
die Spur kommen können. Der Angeber selbst und die übrigen
Gefangenen, die er nicht mit angegeben hatte, wurden auch
sofort auf freien Fuß gesetzt. Den von ihm Angegebenen aber
machte man den Prozeß und ließ die Gefangenen hinrichten,
die Entflohenen aber zum Tode verurteilen und einen Preis
auf ihren Kopf setzen. Indessen stand es sehr dahin, ob die
davon Betroffenen nicht mit Unrecht verurteilt waren; immer
hin war es für die übrige Bevölkerung unter den damaligen
Umständen eine Wohltat.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.