Alkibiades, dessen Feinde, wie sie ihn schon vor seiner Abfahrt
angegriffen hatten, beständig gegen ihn hetzten. Seitdem das
jetzt bezüglich der Hermen ihrer Meinung nach außer Zweifel
stand, glaubten sie erst recht, daß auch der Mysterienfrevel,
dessen er beschuldigt war, von ihm veranstaltet und auch dabei
eine Verschwörung gegen die Demokratie im Spiel gewesen sei.
Zufällig war nämlich grade zu der Zeit, wo man sich in Athen
hierüber aufregte, ein kleines lakedämonisches Heer auf einem
Zuge gegen die Böotier bis an den Isthmus gekommen. Nun
glaubten die Athener, es komme nicht der Böotier wegen,
sondern aufsein Betreiben; die Sache sei mit ihm verabredet,
und die Stadt wäre verraten gewesen, wenn man die Schelme
nicht auf Grund jener Angaben noch rechtzeitig hinter Schloß
und Riegel gebracht hätte. Einmal blieben sie sogar über
Nacht im Theseustempel in der Stadt unter Waffen. Auch
in Argos kamen die Freunde des Alkibiades zu der Zeit in
den Verdacht volksfeindlicher Bestrebungen. Deshalb ließen
die Athener damals auch die auf den Inseln untergebrachten
Geiseln aus Argos dem argeiischen Volke ausliefern, um sie
hinzurichten. So gab es gegen Alkibiades Verdacht an allen
Ecken und Enden. In der Absicht, ihn vor Gericht zu stellen
und hinrichten zu lassen, schickte man also jetzt die Salaminia
nach Sizilien, um ihn und die mit ihm Angegebenen von dort
abzuholen, mit dem Befehl, ihm zu sagen, er solle mitkommen,
um sich zu verantworten, ihn jedoch nicht zu verhaften, weil
man bei den Truppen in Sizilien, den eigenen sowohl wie
bei den feindlichen, kein Aufsehen erregen wollte, namentlich
aber die Mantineer und die Argeier dort zu behalten wünschte,
die sich, wie man glaubte, eben seinetwegen zur Teilnahme an
dem Feldzuge entschlossen hatten. Er und seine Mitangeklagten
fuhren denn auch auf seinem eigenen Schiffe mit der Sala
minia von Sizilien scheinbar nach Athen ab. Aber als sie
nach Thurioi gekommen waren, fuhren sie nicht weiter mit,
sondern verließen das Schiff und hielten sich versteckt aus
Furcht vor dem gehässigen Prozeß, der ihrer zu Hause wartete.
Die Leute von der Salaminia suchten eine Zeitlang nach
Alkibiades und seinen Gefährten; da diese aber nirgends zu
finden waren, fuhren sie weiter. Alkibiades, nunmehr ein
Flüchtling, fuhr bald nachher auf einem Frachtschiffe von
Thurioi nach dem Peloponnes hinüber. In Athen aber wurde
er samt seinen Gefährten abwesend zum Tode verurteilt.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
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