sie werden sich schon in acht nehmen. Es sind Leute von hier,
die solche unwahren und niemals eintreffenden Nachrichten
erfinden, und das nicht zum erstenmal, sondern ich weiß, daß
sie schon immer darauf ausgehen, durch solche und noch weit
ruchlosere Lügen und Treibereien unser Volk in Schrecken zu
setzen, um sich der Herrschaft über die Stadt zu bemächtigen.
Und ich fürchte in der Tat, daß es ihnen damit schließlich
gelingen wird, weil wir nicht den Mut haben, ihnen auf den
Dienst zu passen und, wenn wir sie ertappt, ihnen den Prozeß
zu machen, bevor sie uns das Fell über die Ohren ziehen.
Eben darum kommt unsere Stadt auch nie zur Ruhe; beständig
gibt es hier innere Zwistigkeiten, und wir haben an Kämpfen
unter uns mehr als an Kämpfen gegen äußere Feinde zu
leiden, hin und wieder sogar Tyrannei und Säbelherrschaft zu
erdulden. Ich werde, wenn ihr mir folgen wollt, mein mög
lichstes tun, daß es euch diesmal nicht auch so geht, und euch
allen hier mit gutem Rat zu dienen suchen; jene Hetzer und
Wühler aber sollen mir dafür büßen; nicht nur wenn sie auf
der Tat ertappt werden - denn das trifft sich so leicht nicht
sondern auch schon dafür, was sie im Schilde führen, aber
nicht ins Werk setzen können. Denn dem Gegner muß man
nicht erst in den Arm fallen, wenn er zuschlägt, sondern schon
wenn er dazu ausholt, sonst hat man den Hieb weg, ehe man
sichs versieht. Unseren vornehmen Herren aber, soweit sie
schuldig sind, werde ich den Beweis nicht schuldig bleiben, auf
die übrigen aber ein scharfes Auge haben und sie auf bessere
Wege zu bringen suchen. Denn so glaube ich am ersten, ihrem
ruchlosen Treiben ein Ende machen zu können. Und nun eine
Frage, die ich mir schon oft vorgelegt habe: Was wollt ihr
denn eigentlich, ihr jungen Herren? Verlangt euch schon nach
Ämtern und Würden? Das ist wider das Gesetz. Das Gesetz
aber geht davon aus, daß ihr dazu vermutlich noch nicht fähig
seid, und ist keineswegs gemeint, euch, wenn ihr dazu befähigt
seid, hinter andere zurückzusetzen. Für euch also soll das ge
meine Recht nicht gelten? Wie wäre es zu rechtfertigen, wollte
man nicht alle nach gleichen Grundsätzen behandeln?
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.