wenn ich euch sage, daß es mit dem Kommen der Flotte
seine Richtigkeit hat. Ich weiß wohl, daß man Leute, welche
unglaubliche Nachrichten bringen oder verbreiten, auslacht
oder wohl gar für Narren hält. Das soll mich jedoch nicht
abhalten, angesichts einer der Stadt drohenden Gefahr, über
die ich in der Tat besser als andere unterrichtet zu sein glaube,
das Wort zu nehmen. Die Athener sind nämlich wirklich, so
unglaublich es euch scheint, mit einer großen Flotte und zahl
reichen Landungstruppen hierher unterwegs, angeblich um
Egesta beizustehen und Leontinoi wiederherzustellen, in Wahr
heit aber, weil sie es auf Sizilien und namentlich auf uns
abgesehen haben, indem sie meinen, wenn sie uns erst hätten,
würde es ihnen ein leichtes sein, sich zu Herren der ganzen
Insel zu machen. Sie werden auch bald genug hier sein.
Überlegt euch also, wie ihr euch ihrer mit den vorhandenen
Mitteln am,besten erwehren könnt, um nicht aus Unterschätzung
der Gefahr ihnen wehrlos zur Beute zu fallen oder infolge
eurer Ungläubigteit überhaupt daS Nachsehen zu haben. Aber
auch wer daran glaubt, daß die Athener unterwegs seien,
darf sich durch ihre Macht und Kühnheit nicht schrecken lassen;
denn eher werden sie selbst zuschanden werden, als unS
unterkriegen. Es ist auch gar kein Unglück, daß sie mit solcher
Macht kommen; im Gegenteil, es gereicht unS das bei den
übrigen Griechen hier im Lande zum Vorteil; denn die werden
sich auS Furcht davor um so bereitwilliger auf unsere Seite
schlagen, und wenn wir die Athener dann bezwingen oder
doch vertreiben, ohne daß sie ihren Zweck erreicht, - und daß
sie den erreichen, fürchte ich wahrlich nicht, - so bedeutet das
für unS einen glänzenden Erfolg, auf den ich wenigstens
meinerseits zuversichtlich hoffe. Große überseeische Unter
nehmungen der Griechen und Barbaren sind selten glücklich
abgelaufen. Die Fremden sind ja doch den Landesein
wohnern und ihren Nachbarn, die aus Furcht alle zusammen
halten, an Zahl nicht überlegen, und wenn sie dann im
Auslande nichts mehr zu leben haben und ihre Unternehmung
fehlschlägt, so hat, auch wenn sie ihr Unglück meist selbst
verschuldet haben, daS Volt, auf das es abgesehen war, hinter
drein dann doch den Ruhm davon. Das ist ja auch den
Athenern selbst zugute gekommen, nachdem der angeblich
gegen Athen gerichtete Zug der Perser wider Erwarten so
unglücklich verlaufen war, und hoffentlich wird eS unS jetzt
auch so gehen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.