rütsen, sondern auch zu den Sikelern senden, um die, welche
schon zu uns halten, noch fester an uns zu knüpfen, und die
anderen womöglich zu einem Bündnis zu bewegen, auch an
die übrigen Mischen Städte Gesandte schicken, um ihnen über
die auch ihnen drohende Gefahr die Augen zu öffnen; ebenso
nach Italien, damit man sich dort zu Bündnissen mit uns
versteht oder doch den Athenern die Häfen verschließt. Ich
meine, wir sollten auch nach Karthago schicken. Denn die
Karthager müssen darauf gefaßt sein und leben in beständiger
Furcht, daß die Athener eines schönen Tags vor ihrer Stadt
erscheinen. Vielleicht sagen sie sich, daß es ihnen übel be
kommen könnte, wenn sie uns bei dieser Gelegenheit im Stich
ließen, und entschließen sich, uns irgendwie, sei es offen
oder wenigstens unterderhand, zu unterstützen. Dazu sind die
Karthager, wenn sie wollen, augenblicklich mehr als andere
imstande. Denn sie haben Gold und Silber in Hülle und
Fülle, was ja im Kriege wie überall so wesentlich mitspricht.
Auch nach Lakedämon und Korinth müssen wir schicken und
bitten, uns nicht nur hier schleunigst zu Hilfe zu kommen,
sondern auch dort die Feindseligkeiten wieder aufzunehmen.
Was ich aber zurzeit für das Wichtigste halte, will ich euch
doch auch sagen, obgleich ich dabei, ruhselig, wie ihr nun
einmal seid, wohl am wenigsten schon jetzt auf eure Zustim
mung rechnen kann. Wenn wir sizilischen Griechen sämtlich
oder doch möglichst viele mit uns alles, was wir an Schiffen
haben, flott machen und auf zwei Monate mit Lebensmitteln
versehen wollten und damit den Athenern bis nach Tarent
oder an das Japygische Vorgebirge entgegenführen, so würden
wir ihnen zeigen, daß es mit ihrem sizilischen Kriege nichts
ist, ehe sie nicht glücklich über das Ionische Meer sind. Da
durch würden wir sie kopfscheu machen und ihnen zu Gemüte
führen, daß wir auf dem Posten sind und uns dabei auf
Freundesland stützen können; denn Tarent wird uns auf
nehmen. Während sie mit Sack und Pack die weite Fahrt
über See machen müssen, wobei sie auf die Dauer die Ord
nung schwerlich aufrechterhalten könnten, hätten wir die beste
Gelegenheit, ihre langsam und bei kleinem herankommende
Flotte anzugreifen. Auch wenn sie ihre Kriegsschiffe erleich
terten, sich aufs Rudern legten und damit geschlossen gegen
uns vorgingen, würden wir es nur mit überanstrengten Leuten
zu tun haben, und wenn uns auch daS bedenklich schiene, uns
immer nach Tarent zurückziehen können. Sie aber würden,
wollten sie, um eine Schlacht zu liefen, ihre Fahrt ohne
reichliche Lebensmittel fortsetzen, an Orten, wo es nichts zu
leben gäbe, Hunger leiden oder, wenn sie dort liegen blieben,
entweder von uns eingeschlossen werden oder, wenn sie ver
suchen sollten, durchzubrechen, ihre Transportflotte im Stich
lassen müssen und in Ermangelung von Städten, wo sie mit
Sicherheit auf Verpflegung rechnen könnten, ihren Plan auf
geben. Mit Rücksicht darauf, glaube ich, werden sie, wenn
wir ihnen den Weg versperren, gar nicht von Kerkyra auf
brechen, sondern sich die Sache erst überlegen und Nachrichten
einziehen, wie stark und wo wir sind, und dadurch bis in den
Winter aufgehalten werden oder, verblüfft durch die uner
wartete Wendung der Dinge, die Fahrt überhaupt aufgeben,
zumal, wie ich höre, ihr erfahrenster Feldherr den Oberbefehl
nur ungern übernommen hat und sehr geneigt sein wird, sich
hinter jedes ernste Hindernis von unserer Seite zurückzuziehen.
Und so viel weiß ich, das Gerücht würde daraus noch mehr
machen. Die Stimmung der Menschen aber richtet sich nach
dem, was sie hören. Man fürchtet niemand mehr als einen
Gegner, der zuerst den Degen zieht oder wenigstens keinen
Zweifel darüber läßt, daß er bereit ist, dem Angreifer die
Spitze zu bieten, weil man überzeugt ist, daß auch er seinen
Mann stehen wird. So wird es jetzt wahrscheinlich auch den
Athenern gehen. Sie kommen hierher in dem Glauben, wir
würden uns nicht wehren, und haben guten Grund, so gering
schätzig von uns zu denken, weil wir den Lakedämoniern nicht
geholfen haben, sie niederzukämpfen. Wenn sie nun sehen,
daß es uns dazu an Mut nicht fehlt, so wird dies unerwartete
Ereignis mehr Eindruck auf sie machen als unsere wirkliche
Macht. Folgt also meinem Rat und entschließt euch zu diesem
kühnen Schritt, oder wenn das nicht, so richtet euch wenigstens
sonst auf den Krieg ein. Davon aber könnt ihr alle über
zeugt sein, daß mutiges Auftreten der beste Beweis ist, man
fürchte den Feind nicht; und daß auch wir am sichersten gehen,
wenn wir uns angesichts der kommenden Gefahr beizeiten
wappnen, wie wenn der Feind schon vor den Toren wäre.
Die Herren Athener wollen uns zu Kleide und sind, wie ich
bestimmt weiß, schon unterwegs: sie werden nicht lange auf
sich warten lassen."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.