glauben wir, daß es auch uns daran nicht fehlen wird, denn
wir verlangen und tun nichts, was dem Glauben der Men
schen an die Gottheit oder dem, was sie untereinander selbst
für recht halten, widerspräche. Unseres Erachtens gilt nämlich
in der ganzen Welt, bei der Gottheit, wie wir glauben, unter
Menschen erfahrungsmäßig, eben ein für allemal das Recht
des Stärkeren. Wir haben dieses Recht weder zuerst eingeführt,
noch zuerst davon Gebrauch gemacht; aber wie wir es alS
ein immer anerkanntes und für alle Zeit gültiges vorgefunden
haben, so handeln wir auch jetzt darnach und zweifeln nicht
daran, daß ihr wie jeder andere es bei gleicher Macht auch
so machen würdet. Also, was die Gottheit anlangt, haben
wir keinen Grund, eine Niederlage zu fürchten. Wenn ihr
aber auf die Lakedämonier rechnet und hofft, daß sie euch schon
anstandshalber beistehen würden, so wünschen wir euch Glück
zu eurer Unschuld, beneiden euch aber nicht darum! DaS
Verhalten der Lakedämonier untereinander und gegenüber ihrem
heimischen Gesetze ist zwar im allgemeinen löblich, aber über
ihre auswärtige Politik wäre manches zu sagen, mit einem
Worte, daß unter allen uns bekannten Völkern keinS so un
verhohlen wie sie, alles was ihnen genehm, für erlaubt hält,
und was ihnen vorteilhaft ist, für Recht erklärt. Bei solcher
Denkart könnt ihr jetzt in eurer mißlichen Lage denn doch
schwerlich auf sie rechnen."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.