so glauben auch wir, daß wir nicht-im Nachtheil-sein werden; denn
wir verlangen und thun Nichts, was. außer der menschlichen Art
liegt, weder in Bezug auf den Glauben an die Götter, noch auch in
dem, was die Menschen für sich selbst wünschen. Wir glauben, daß
die Gottheit nach menschlichem Dafürhalten regiere, wir wissen aber,
daß die Menschen sichtlich aus. einem Zwange der Natur das
beherrschen, worüber sie Macht gewinnen-können; dieß Gesetz haben wir
weder.'selber gegeben, noch' auch-sind wir die Ersten,.die sich nach
seinem Bestehen richten;-wir haben es bestehend vorgefunden und
werden eS auch für .alle'Zeiten bestehend zurücklassen, und so
handeln wir danach .und. wissen recht gut, daß auch ihr und jeder
Andere, der gleiche Macht mit uns-erringt, ebenso.handeln würde.
Was also die Götter betrifft, so sind wir ganz im Recht, wenn wir
ihre Ungunst nicht besorgen; was aber nun.eure.Erwartung von den
Lakedämoniern angeht, wonach, ihr vertraut, daß sie euch um ihre
Ehre.zu wahren zu Hülfe kommen werden, so.wünschen wir euch
zwar.Glück zu.einem solchen Vertrauen-auf.die Menschen, können
aber doch euren Unverstand nicht beneiden. Die Lakedämonier
handeln zwar unter sich und in Bezug aus ihre eigenen Einrichtungen
meist nach den Gesetzen der Rechtlichkeit; was aber ihr Benehmen
gegen Andere betrifft, da hätte. Einer viel zu reden, und will er sich
kurz fassen, so kann er sie am besten schildern, wenn er sagt, daß sie
nach unserem Wissen unter Allen diejenigen sind, welche am offensten
das für ehrenvoll erklären, was ihnen angenehm ist, und das für
gerecht, was ihnen Nutzen bringt. Und von einer solchen Gesinnung 1
laßt sich jetzt wohl für eure.so unwahrshceinliche Rettung Nichts
erwarten."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.