ständiger Entschluß als höchst ersprießlich erweisen. Warum
sollten wir denn nicht auch unter uns selbst Frieden machen,
den wir doch alle miteinander für das Beste halten? Und
wenn jetzt wirklich einer im Vorteil, ein anderer im Nachteil
ist, glaubt ihr etwa, daß es nicht für beide leichter sein würde,
solche Nachteile und Vorteile im Frieden auszugleichen oder
zu wahren als im Kriege? Daß nicht Ruhm und Ehren und
andere Freuden, die ich hier so wenig weiter ausmalen will
wie die Leiden des Krieges, im Frieden mit geringerer Gefahr
zu haben wären? Schlagt darum meine Worte nicht in den
Wind, sondern bedenkt, daß ich nur zu eurer aller Bestem rede.
Auch wer bei einer Unternehmung im Vertrauen auf die Ge
rechtigkeit seiner Sache oder auf seine Macht des Erfolgs sicher
zu sein glaubt, hüte sich, daß er nicht unversehens zu Schaden
kommt. Ist doch schon mancher, der sich für eine Beleidigung
rächen wollte oder auf Eroberungen ausging, nicht nur mit
seiner Rache nicht zum Zweck gelangt, sondern darüber selbst
zugrunde gegangen oder, statt Eroberungen zu machen, auch
noch um das Seinige gekommen. Denn die Rache verhilft
dem Beleidigten nicht schon darum zu seinem Recht, weil ihm
Unrecht geschehen ist, und die Macht ist ihres Erfolgs nicht
schon deshalb sicher, weil sie darauf hoffen darf. Vielmehr kann
man nie mit Sicherheit darauf rechnen, was die Zukunft
bringen wird. Augenscheinlich aber hat diese völlige Ungewiß
heit auch ihr Gutes; denn weil keiner weiß, was ihm bevor-
steht, sind wir um so vorsichtiger, Krieg miteinander anzu
fangen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.