er denn nicht gleich hinführe, wenn ihm die Sache so einfach
schiene, und Nikias, der wohl merkte, daß es auf ihn gemünzt
war, erklärte, ihretwegen möge er nur Schiffe nehmen, so viel er
wolle, und die Sache versuchen. Kleon, der daS für eine bloße
Redensart hielt, zeigte sich erst dazu auch bereit, als er jedoch
merkte, daß Nikias ihm wirklich sein Amt abtreten wollte, zog
er zurück und sagte, er sei nicht Feldherr, sondern Nikias;
denn jetzt wurde ihm bange, während er vorher nicht geglaubt
hatte, daß er sich zur Abtretung seines Amtes an ihn ver
stehen würde. Nikias aber forderte ihn nun von neuem dazu
auf und verzichtete, indem er die Athener zu Zeugen anrief,
seinerseits für Pylos auf den Oberbefehl. Und je mehr Kleon
sich der Sache zu entziehen und an seinen Worten zu drehen
und zu wenden suchte, um so heftiger bestanden die Athener,
wie es in solchen Versammlungen zu gehen pflegt, darauf,
Nikias solle ihm sein Amt abtreten, und schrien ihm zu, er
möge zu Schiff gehen. So konnte er endlich nicht mehr um
sein Wort herumkommen und erklärte sich bereit, trat vor das
Volk und sagte, vor den Lakedämoniern fürchte er sich nicht
und werde in See gehen und nicht mal Bürger, sondern nie
mand weiter mitnehmen als die Lemnier und Jmbrier, die
Peltasten aus Ainos und vierhundert Bogenschützen aus anderen
Orten, die grade bei der Hand wären. Damit und mit der
Mannschaft in Pylos werde er ihnen die Lakedämonier binnen
zwanzig Tagen lebendig bringen oder sie an Ort und Stelle
zusammenhauen. Die Athener mußten freilich über seine
Prahlerei lachen, den ernsten Leuten aber war die Sache trotz
dem nicht unerwünshct, da sie ihrer Meinung nach auf alle
Fälle ein Gutes hatte: denn entweder würde man Kleon los,
worauf sie eigentlich hofften, oder die Lakedämonier fielen
ihnen in die Hände.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.