der andauernden Versorgung der Insel mit Lebensmitteln hörte,
wurde man bedenklich und fürchtete, es könne über die Ein
schließung Winter werden und damit die Unmöglichkeit ein
treten, dem Heere um den Peloponnes herum Lebensmittel zuzu
führen, grade in jener öden Gegend, wo es schon zur Sommer
zeit damit nicht ausreichend hatte versehen werden können.
Bei der Schwierigkeit, an der hafenlosen Küste Truppen zu
landen und die Insel genügend zu bewachen, würden sich die
Leute dort vielleicht durchschlagen oder eine.stürmische Nacht
benutzen können, um sich auf den Fahrzeugen, die ihnen Lebens
mittel gebracht, davonzumachen. Vor allem aber fürchtete man
die Lakedämonier und meinte, sie müßten doch wohl irgend
einen Trumpf im Spiele haben, da sie keine Friedensvorschläge
mehr machten, und bereute jetzt, darauf seinerzeit nicht ein
gegangen zu sein. Kleon, welcher sah, daß man schlecht auf
ihn zu sprechen war, weil er den Frieden verhindert hatte,
behauptete jedoch, die Leute, die solche Nachrichten verbreiteten,
sagten die Unwahrheit. Diese, die von Pylos gekommen waren,
bestanden indes darauf, wenn man ihnen nicht glaube, so möge
man andere hinschicken, um die Sache zu untersuchen, und
dazu wurde er nun selbst mit Theagenes von den Athenern
erwählt. Überzeugt, daß ihm jetzt nichts übrigbleibe, als ent
weder seine Behauptung aufrechtzuerhalten oder, wenn er sie
zurücknähme, als Lügner dazustehen, riet er den Athenern, deren
Kriegslust inzwischen offenbar gewachsen war, doch nicht erst
lange jemand zur Untersuchung der Sache hinzuschicken und
damit unnütz Zeit zu verlieren, sondern, wenn sie die Nach
richt für wahr hielten, den Kerls nur gleich mit einer Flotte
zu Leibe gehen. Dabei hatte er es auf Nikias, NikeratoS' Sohn,
abgesehen, der damals Feldherr war, den er haßte und dem
er eins anhängen wollte, indem er sagte, es wäre doch eine
Kleinigkeit, wenn die Feldherren nur Manns danach wären,
mit einer ordentlichen Flotte die Leute auf der Insel in den
Sack zu stecken, und wenn er den Oberbefehl hätte, würde er
das bald fertigbringen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.