nütze, sich alle Gefahren auszudenken, die einem in solcher Lage
zustoßen könnten. Das einzig Richtige ist, daran gar nicht zu
denken, sondern auch diesmal auf unser gutes Glück zu ver
trauen; dann werden wir schon durchkommen. Wenn es so
weit gekommen ist, wie jetzt mit uns, muß man nicht lange
überlegen, sondern der Gefahr dreist ins Gesicht sehen. Nach
meiner Überzeugung liegt die Sache durchaus günstig für uns,
wenn wir nur standhalten und unsere Vorteile nicht aus Furcht
vor ihrer Menge aus der Hand geben, denn die Schwierig
keiten des Geländes sind unser Vorteil und kommen uns, wenn
wir aushalten, im Kampfe zustatten. Wenn wir aber das
Feld räumen, so werden die Feinde trotz dieser Schwierigkeiten
hier ungehindert eindringen, und falls wir sie dann auch wieder
zurückschlügen, würden sie sich bei der Schwierigkeit des Rück
zugs nur um so verzweifelter wehren. Solange sie noch auf
den Schiffen sind, können wir sie uns leicht vom Leibe halten,
sind sie aber erst am Lande, so sind wir gegen sie nicht weiter
im Vorteil. Auch vor ihrer Menge brauchen wir uns nicht
allzusehr zu fürchten; denn so viele ihrer auch sind, bei der
Beschwerlichkeit einer Landung werden wir es zu gleicher Zeit
doch immer nur mit wenigen zu tun haben. Es handelt sich
ja nicht um einen Kampf zu Lande, wo die Menge unter sonst
gleichen Umständen den Ausschlag gibt, sondern um Aus
schiffung von Truppen, wobei so viel von Wind und Wetter
abhängt. Ich glaube also, daß die Schwierigkeiten, mit denen
sie zu kämpfen haben, unsere geringere Zahl voll aufwiegen
werden, und verlasse mich außerdem darauf, daß ihr Athener
seid und aus Erfahrung wißt, wie eine Landung angesichts
des Feindes nicht wohl erzwungen werden kann, wenn dieser
nur standhält und nicht beim Anblick der brausenden See und
unter dem überwältigenden Eindruck der aufkommenden Schiffe
vor Schreck davonläuft. Ich erwarte also, daß auch ihr jetzt
standhalten und den Kampf schon an der Brandung aufnehmen
werdet, um uns selbst und den Platz zu retten."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.