Griechenland allgemein als Muster rechtschaffener Gesinnung.
Wenn ihr aber gegen uns ein schnödes Urteil sprecht - und
bei eurem Ansehen und dem guten Ruf, den auch wir ge
nießen, wird dieser Prozeß von sich reden machen so sollt
ihr die Entrüstung erleben, daß gegen ein tapferes, wenn auch
euch nicht gewachsenes Volk solch ein Justizmord verübt und
die uns, den Wohltätern Griechenlands, abgenommene Beute
in den vaterländischen Heiligtümern aufgestellt werden konnte.
Ein entsetzlicher Gedanke, daß Platää von Lakedämoniern zer
stört würde, daß eure Väter den Namen dieser Stadt zu Ehren
ihrer Tapferkeit auf dem Dreifuß in Delphi angebracht haben,
und daß ihr sie jetzt den Thebanern zuliebe in Griechenland
von der Bildfläche vertilgtet. Denn so weit ist es bereits mit
uns gekommen. Damals, als die Perser im Lande schalteten,
haben sie unsere Stadt zerstört, und jetzt werden wir von euch,
unsern alten Freunden, den Thebanern geopfert. Schon zum
zweitenmal sehen wir dem Tode ins Angesicht; eben erst waren
wir in Gefahr, Hungers zu sterben, wenn wir die Stadt
nicht übergaben, und jetzt stehen wir vor diesem Blutgerichte.
Wir Platäer, die wir für die Griechen über unsere Kräfte
Gut und Blut eingesetzt haben, sind heute verstoßen von aller
Welt, verlassen und vogelfrei. Unter unseren damaligen Bundes
genossen ist nicht einer, der sich unser annimmt; und auch ihr
Lakedämonier, unsere einzige Hoffnung, fürchten wir, werdet
uns im Stich lassen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.