uns angefangen; ihr letzter Gewaltstreich ist euch zur Genüge
bekannt; ist er doch die Ursache unseres jetzigen Unglücks.
Als sie unsere Stadt in tiefem Frieden, noch dazu am heiligen
Festtage, überfallen hatten, haben wir sie dafür bestraft mit
dem guten Rechte, wonach es in der ganzen Welt erlaubt ist,
Gewalt mit Gewalt zu vertreiben, und eS wäre unverantwort
lich, uns dafür jetzt ein Haar krümmen zu wollen. Wenn ihr
um eures und ihres augenblicklichen Vorteils willen dem Rechte
eine Nase dreht, so beweist ihr damit, daß es euch hier in
Wahrheit nicht um einen gerechten Richterspruch, sondern
lediglich um euren Vorteil zu tun ist. Glaubt ihr wirklich,
daß die Thebaner euch gegenwärtig nützlich sind, so sind wir
und die anderen Griechen das damals erst recht gewesen, als
ihr in weit größerer Gefahr wart. Jetzt seid ihr allen anderen
mit euren Streitkräfteu überlegen. Damals aber war der
Perserkönig drauf und dran, ganz Griechenland zu unterjochen,
und damals hielten sie es mit ihm. Und hatten wir auch in
der Tat jetzt ein Unrecht begangen, so wäre es nur billig,
demgegenüber unsere damalige Opferwilligkeit in Rechnung
zu bringen, wobei sich dann doch ein Guthaben zu unseren
Gunsten herausstellen würde, zumal wenn ihr in Betracht zieht,
wie es zu jener Zeit in Griechenland nicht allzu viele gab,
welche den Mut hatten, sich der Macht des Xerxes zu wider-
setzen, und wie alle die gepriesen wurden, welche ihr Heil
nicht in der Unterwerfung unter den Feind gesucht, sondern
furchtlos Leib und Leben gewagt hatten. Und zu denen ge
hörten wir und sind dafür damals aufs höchste geehrt worden;
jetzt aber müssen wir fürchten, daß man uns den Kopf vor
die Füße legt, grade weit wir noch die alten sind und lieber
den Athenern treu bleiben als um unseres Vorteils willen mit
euch gehen wollten. Und doch solltet ihr uns die Gesinnung,
die ihr früher so hoch geschätzt, jetzt nicht zum Verbrechen
machen und einsehen, daß es auch für euch das beste wäre,
wenn sich euer augenblicklicher Vorteil mit dauernder Dankbar
keit gegen die tapferen alten Freunde vereinigen ließe.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.