Stadt übergeben. Wir glaubten bei euch auf ein regelrechtes
und kein so formloses Verfahren rechnen zu können, wollten
auch niemand als euch, vor denen wir hier tsehen, zu Richten?
haben, weil wir von euch am ersten ein gerechtes Urteil er
warteten. Jetzt aber müssen wir fürchten, uns in beider Hin
sicht geirrt zu haben. Denn wir haben allen Grund zu ver
muten, daß kurzer Prozeß mit uns gemacht werden soll, und
daß wir an euch keine unparteiischen Richter finden werden.
Wir schließen das daraus, daß vorher keine Anklage erhoben
und uns zur Erklärung mitgeteilt ist - haben wir doch selbst
erst ums Wort bitten müssen -, und weil die Frage so kurz
ist. Wenn wir diese der Wahrheit gemäß beantworten, so
sind wir verloren; sagen wir aber die Unwahrheit, ist der
Gegenbeweis leicht geführt. So bleibt uns nichts anderes
übrig, als unser Heil wenigstens mit einer Rede zu versuchen.
Denn wer in solcher Lage seine Rede für sich behält, wird
sich nachher doch sagen lassen müssen: wenn du sie gehalten
hättest, wärest du vielleicht glücklich davongekommen. Zu alle
dem kommt für uns noch die Schwierigkeit, Gehör bei euch
zu sinden. Wenn wir einander nicht kennten, so würden wir
zu unserer Rechtfertigung vielleicht neue, euch noch unbekannte
Beweise beibringen können, so aber vermögen wir nichts an
zuführen, was euch nicht schon bekannt wäre. Auch fürchten
wir nicht sowohl, daß ihr den Stab über uns brecht, weil ihr
von vornherein überzeugt seid, unsere Verdienste seien geringer
als die euren, als daß ihr uns anderen zu Gefallen vor ein
Gericht gestellt habt, welches sein Urteil längst fertig hat.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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