die nichts mehr zu leben hatten und die Belagerung nicht
länger aushalten konnten, sich den Peloponnesiern ergeben,
und das kam so: Die Peloponnesier unternahmen einen Sturm
auf die Stadtmauer, und die Platäer konnten ihn nicht ab
wehren. Der lakedämonische Befehlshaber, welcher merkte,
daß ihre Kräfte zu Ende gingen, wollte jedoch die Stadt wo
möglich nicht mit Sturm nehmen. So war es ihm nämlich
aus Lakedämon unter den Fuß gegeben, damit, wenn beim
etwaigen Friedensschlüsse mit den Athenern beide Teile sich
zur Herausgabe der im Kriege eroberten Plätze verpflichten
sollten, Platää als eine freiwillig übergetretene Stadt nicht
mit herausgegeben zu werden brauche. Er schickte also einen
Herold an sie ab und ließ ihnen sagen, ob sie ihre Stadt nicht
lieber freiwillig den Lakedämoniern übergeben und sie als
Richter annehmen wollten, wo dann die Schuldigen ihre Strafe
erhalten, die Unschuldigen aber frei ausgehen würden. Der
Herold richtete seinen Auftrag aus, und da sie mit ihren
Kräften völlig zu Ende waren, übergaben sie die Stadt. Die
Peloponnesier versahen sie nun einige Tage mit Lebensmitteln,
bis die aus Lakedämon erwarteten fünf Richter ankamen.
Indessen wurde, als diese eingetroffen waren, eine Anklage
überhaupt nicht erhoben, sondern man ließ sie vortreten und
legte ihnen einfach die Frage vor, was sie im Laufe deS
Krieges für die Lakedämonier und deren Bundesgenossen getan
hätten. Sie baten jedoch, sich über die Sache eingehender
äußern zu dürfen, und wählten zu dem Ende zwei Männer
auS ihrer Mitte, Astymachos, Asopolaos' Sohn, und Lakon,
Aeimnesos' Sohn, den dortigen Staatsgastfreund der Lake
dämonier, welche nun vortraten und also redeten:
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
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