greife nicht, daß man euch noch einmal über Mytilene ver
handeln läßt und dadurch einen Aufschub herbeiführt, der nur
den Schurken zustatten kommt; denn er dient nur dazu, den
gerechten Zorn des Beleidigten gegen den Übeltäter abzu
schwächen, während das Unrecht nur durch eine Vergeltung,
die ihm auf dem Fuße folgt, angemessen aufgewogen und ge
sühnt wird. Es soll mich wundern, wer mir widersprechen wird
und euch zu beweisen wagt, daß die Verbrechen der Mytilener
uns zum Vorteil, unsere Niederlagen aber den Bundesgenossen
zum Nachteil gereichten. Der müßte sich entweder für einen
Redner halten, der euch beweisen könnte, daß, was hier ein
stimmig angenommen, kein Beschluß gewesen sei, oder be
stochen sein, euch durch Spiegelfechterei hinters Licht zu führen.
Die Preise solcher Kämpfe verteilt die Stadt an andere, wäh
rend sie selbst dafür bluten muß. Und daran seid ihr schuld;
denn ihr seid schlechte Kampfrichter; ihr seht die Reden und
hört die Tatsachen; künftige Dinge seht ihr so, wie sie euch
ein Schönredner als möglich vorspiegelt, geschehene Dinge
dagegen, bei denen ihr euch lieber auf die Augen als auf die
Ohren verlassen solltet, in dem schlechten Lichte, in dem sie
euch ein Schandmaul darzustellen weiß. Auf alles Neue, das
man euch bringt, hereinzufallen, darin seid ihr groß; von be
währtem Rate aber wollt ihr nichts hören, Sklaven des Außer
ordentlichen, Verächter des Gewöhnlichen, die ihr seid. Jeder
will möglichst selbst zu Worte kommen, und wenn das nicht,
wenigstens mit dem Redner, der es vorbringt, um die Wette
dafür eintreten, damit es ja nicht aussieht, als habe man sich
seiner Ansicht nur nachträglich angeschlossen. Macht jemand
eine treffende Bemerkung, so wollt ihr das immer auch schon
gedacht und gemeint haben; aber auch die Folgen zu bedenken,
fällt euch nicht ein. Ihr wollt, sozusagen, die Welt ver
bessern und seid nicht imstande, die, in der wir nun einmal
leben, zu begreifen. Dem Reiz, etwas zu hören, könnt ihr ein
fach nicht widerstehen und sitzt hier wie Maulaffen auf den
Bänken der Sophisten und nicht wie Männer, die über Staats
angelegenheiten verhandeln.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.