hat, wäre es töricht, Krieg anzufangen. Wenn man aber keine
andere Wahl hat, als entweder klein beizugeben und sich fremder
Herrschaft zu unterwerfen oder aber der Gefahr die Stirn zu
bieten, um sich zu behaupten, so ist es schimpflich, sich aus
Furcht vor der Gefahr vor ihr zu drücken. Ich bin noch der
selbe und stehe auf meinem alten Standpunkt, ihr aber seid
umgefallen. Damals im Glück folgtet ihr meinem Rat, jetzt
aber im Unglück kriegt ihr es mit der Reue und meint in
eurer Kurzsichtigkeit, ich hätte euch falsch beraten. Die augen
blicklichen Nachteile empfindet ihr schon, die späteren Vorteile
aber erkennt ihr noch nicht und denkt nicht hoch genug, um
auch nach dem großen Glückswechsel, der euch so plötzlich be
troffen, an euren Beschlüssen festzuhalten. Freilich, so völlig
unerwarteten und unbegreiflichen Schicksalsschlägen erliegt der
Mensch, und so ist es euch vor allem bei der Pest ergangen.
Und doch solltet ihr als Bürger dieser stolzen Stadt, in deren
Anshcauungen ihr aufgewahcsen seid, auch im größten Unglück
den Mut nicht verlieren und euern Ehrenschild rein halten;
denn mit gleichem Recht verachtet man den Feigling, welcher
der ihm gebührenden Ehre was vergibt, wie man den Un
verschämten verabscheut, der sich eine Ehre anmaßt, die ihm
nicht zukommt. Darum verschmerzt auch ihr euer häusliches
Leid und laßt das Vaterland nicht zugrunde gehen!
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.