denn ich verstehe sehr wohl warum. Deshalb habe ich diese
Versammlung berufen, um euch die Meinung zu sagen und
eines Besseren zu belehren, sofern ihr keinen Grund habt, mir
zu zürnen und im Unglück zu verzagen. Denn ich meine, auch
dem einzelnen Bürger ist mit dem Bestände des ganzen Gemein
wesens besser gedient' als mit individueller Wohlfahrt, bei der
das Ganze zugrunde geht. Denn geht es dem einzelnen Bürger
noch so gut, beim Untergange des Vaterlandes ist er doch mit
verloren; geht es ihm aber kümmerlich, so wird er sich in
einem blühenden Gemeinwesen immer noch am ersten durch
schlagen. Vermag also der Staat dem einzelnen aufzuhelfen,
nicht aber der einzelne dem Staat, müssen da nicht alle für
ihn eintreten und es nicht machen wie ihr, die ihr, durch euer
häusliches Leid gebrochen, Athen seinem Schicksal überlassen
wollt und mich, der ich zum Kriege geraten habe und damit
euch selbst, die ihr doch auch dafür gestimmt habt, mit Vor
würfen überhäuft? Da scheltet ihr einen Mann wie mich, der,
sollt' ich denken, doch wie einer imstande ist, zu beurteilen,
worauf es ankommt und anderen seine Gründe auseinander
zusetzen, einen Mann, der sein Vaterland liebt und für Geld
nicht zu haben ist. Denn wer die Sache noch so gut versteht,
sie aber anderen nicht begreiflich machen kann, ist nichts besser
als einer, der selbst nichts davon versteht. Wer beides kann,
aber kein Herz fürS Vaterland hat, wird niemals reden, wie
es diesem frommt. Dem endlich, dem es auch daran nicht
fehlt, der aber dem Gelde nicht widerstehen kann, wird für
Geld alles feil sein. Wenn ihr euch also damals auf meinen
Rat zum Kriege entschlossen habt, weil ihr mir jene Eigen
schaften denn doch mindestens wie jedem anderen zutrautet,
und mir darüber jetzt Vorwürfe machen wollt, so muß ich mir
daS entschieden verbitten.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.