so ist es eine große Thorheit, den Krieg zu wählen; wenn aber keine
andere Wahl da ist, als durch Nachgeben sich dem Fremden zu
unterwerfen oder mit der Gefahr des Kampfes den Sieg zu suchen, so ist
der, welcher die Gefahr meidet, schlechter als wer sich ihr stellt. Ich
für mein Theil bin derselbe geblieben und ändere meine Grundsätze
nicht, ihr aber wechselt eure Gesinnungen; denn als ihr im Glücke
wäret, ließt ihr euch von mir überreden, und nun, da ihr Verluste
erlitten habt, wandelt euch Neue an, und nur in eurer eigenen
Gesinnungsschwäche erscheint euch meine Ansicht als unrichtig, weil für
Verluste Jeder im Augenblicke Empfindung hat, Alle zusammen aber
keine Vorstellung von dem zukünftigen Nutzen. Tritt ein bedeutender
Umschwung ein, und dazu noch plötzlich, so ist eure Denkart zu
niedrig, als daß ihr aus dem beharrtet, was ihr für gut erkannt habt.
Denn was plötzlich und unvorhergesehen und ganz und gar gegen alle
Erwartung eintritt, das beugt den Muth nieder; und das ist euch,
wie bei andern Dingen, so auch vorzüglich bei der Pest geschehen.
Und doch solltet ihr, als Bürger einer großen Stadt und in den
entsprechenden Gesinnungen auferzogen, auch den größten Unfällen die
Stirne bieten und eure Würde nie verläugnen, — denn mit gleichem
Rechte tadeln die Menschen denjenigen, der aus Feigheit hinter
ererbtem Ruhme zurückbleibt, als sie den hassen, der frechmüthig nach
dem Ruhme greift, der ihm nicht gebührt. Ihr solltet also eigene
Unfälle verschmerzen und nur das Ganze zu retten streben."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
Sponsored by University of Leipzig.
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