vieler Menschen vom Lande in die Stadt, und diese selbst
hatten darunter am meisten zu leiden. Denn da sie nicht Häuser
genug vorfanden und die Sommerzeit in heißen und dumpfigen
Buden zubringen mußten, trat unter ihnen ein grauenhaftes
Sterben ein. So wie sie übereinander verreckten, blieben sie
als Leichen liegen, oder sie wälzten sich halbtot auf den Straßen
oder vor Gier nach Wasser um die Brunnen. Selbst die
Tempel, in denen sie untergekommen und dann gestorben waren,
tagen voller Leichen. Bei dem grenzenlosen Elend wußten die
Menschen eben nicht mehr, was sie anfangen sollten, und
kümmerten sich nicht länger um Religion und fromme Sitte.
Auch über alles, was bis dahin bei Begräbnissen Rechtens ge
wesen war, setzte man sich hinweg, und jeder begrub seine
Toten, so gut er konnte. Manche gingen dabei gradezu scham
los zu Werke, weil ihnen schon so viele gestorben waren, daß
es ihnen an den nötigen Mitteln für ein Begräbnis fehlte.
Sie legten ihre Toten auf fremde Scheiterhaufen und zündeten
sie an, ehe die Leute, die sie aufgeschichtet hatten, dazu kamen,
oder warfen die mitgebrachte Leiche auf den ersten besten,
schon brennenden Scheiterhaufen und machten dann, daß sie
wegkamen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.