Eindringlingen was in die Quere käme, schon in der Nacht
mit ihrer Hauptmacht zur Stelle sein sollten, unterwegs die
Nachricht erhielten, wie die Sache abgelaufen, beschleunigten
sie ihren Marsch. Platää ist von Theben siebzig Stadien ent
fernt, und da es über Nacht stark geregnet hatte, kamen sie
nur langsam vorwärts. Der Asopos war hoch angeshcwollen.
und schwer zu überschreiten. Und da sie im Regen marschieren
mußten und beim Übergange über den Fluß viel Zeit verloren
hatten, kamen sie zu spät, so daß ihre Landsleute entweder
schon tot oder gefangen waren. Als sie das erfuhren, suchten
sie die außerhalb der Stadt befindlichen Platäer einzufangen;
denn da der Überfall so urplötzlich mitten im Frieden erfolgt
war, waren noch Leute und Gerätschaften draußen auf dem
Lande. Die eingefangenen Platäer aber sollten ihnen als
Geiseln dienen für ihre noch am Leben befindlichen gefangenen
Landsleute. Während sie sich die Sache noch überlegten,
schickten die Platäer, die etwas der Art vermuteten und für
ihre Leute draußen fürchteten, aus der Stadt einen Herold
an sie ab und ließen ihnen sagen, es sei schon schweres Un
recht gegen sie gewesen, mitten im Frieden einen solchen Ge
waltstreich gegen ihre Stadt zu führen, und man solle sie jetzt
draußen im Frieden lassen. Wo nicht, so würden auch sie die
Gefangenen töten, denen sie bisher das Leben gelassen und die
sie ihnen herausgeben würden, wenn sie ihr Gebiet räumten.
So wenigstens sagen die Thebaner und versichern sogar, die
Platäer hätten sich eidlich dazu verpflichtet. Die Platäer aber
stellen in Abrede, die sofortige Herausgabe der Gefangenen
versprochen zu haben, behaupten vielmehr, sie hätten sich dazu
nur bereit erklärt, falls es auf Grund weiterer Verhandlungen
zu einem Vergleich kommen würde, eidlich aber hätten sie sich
überhaupt zu nichts verpflichtet. Die Thebaner räumten denn
auch ihr Gebiet, ohne dort weiter Schaden zu tun. Die Pla
täer aber brachten alles, was draußen war, schnell in die Stadt
und töteten dann die Gefangenen auf der Stelle. Im ganzen
waren es hundertundachtzig, unter ihnen auch Eurymachos, mit
dem die Verräter die Sache eingefädelt hatten.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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