sie sich eng zusammen, um den Feinden nach allen Seiten die
Spitze bieten zu können, schlugen auch zwei- oder dreimal einen
Angriff ab. Da jedoch die Platäer von neuem ungestüm auf
sie eindrangen und auch Frauen und Sklaven mit wildem
.Geschrei ihnen Steine und Dachziegel von den Häusern auf
die Köpfe warfen, dazu noch in der Nacht viel Regen gefallen
war, kriegten sie es mit der Angst, ergriffen die Flucht und
zerstreuten sich in der Stadt. Und da die meisten hier nicht 1
Bescheid wußten und in Kot und Dunkelheit - denn es war
Neumond - den rechten Weg nicht finden und ihren Ver
folgern, denen jedes Gäßchen bekannt war, nicht entrinnen
konnten, so kamen die meisten um. Auch das Tor, durch das
sie eingedrungen, das einzige, welches offen war, verschloß ein
Platäer, indem er den Schaft seines Spießes anstatt des Pflockes
durch den Querbalken stieß, so daß man auch da nicht mehr
hinaus konnte. Da man sie in der Stadt überall verfolgte,
stiegen einige auf die Stadtmauer und ließen sich nach außen
hinabfallen, kamen dabei aber meist ums Leben. Einige ge
langten durch ein unbewachtes Tor, dessen Querbalken sie mit
einem Beil, das ihnen eine Frau gegeben, zerschlagen hatten,
unbemerkt ins Freie, allerdings nicht viele, da es bald bemerkt
wurde. Auch wurde manchem, der sich in der Stadt verlaufen
hatte, der Garaus gemacht. Der größte Haufe aber, der noch
einigermaßen zusammenhielt, geriet in ein geräumiges Haus
an der Stadtmauer, dessen Torweg zufällig offen stand, in
der Meinung, es sei das Stadttor und habe auf der anderen
Seite einen Ausgang ins Freie. Als die Platäer sahen, daß
sie sich hier gefangen hatten, waren sie unschlüssig, ob sie das
Haus anstecken und alle bei lebendigem Leibe dann verbrennen
oder was sie sonst mit ihnen anfangen sollten. Schließlich
kam es zu einem Abkommen, wonach sie und alle noch am
Leben befindlichen, in der Stadt umherirrenden Thebaner die
Waffen streckten und sich den Platäern auf Gnade und Un
gnade ergaben. So endete der Überfall von Platäa.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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