Prunkes willen, und lieben die Wissenschaft, aber ohne uns
dadurch verweichlichen zu lassen. Wir schätzen den Reichtum
als ein Mittel, um nützlichen Gebrauch davon zu machen,
nicht aber um damit zu protzen. Seiner Armut braucht sich
niemand zu schämen, es sei denn, daß er sie durch Faulheit
selbst verschuldet hat. Der Politiker kann sich bei uns auch
seinen eigenen Angelegenheiten widmen und der Geschäfts
mann, der sein Gewerbe treibt, dabei sehr wohl auf Politik
verstehen. Nur hier hält man den, der sich nicht um Politik
bekümmert, nicht für einen guten Bürger, sondern für einen
Philister. Bei uns bildet sich jeder wenigstens ein Urteil über
solche Fragen, wenn es auch zunächst den berufsmäßigen Poli
tikern überlassen bleibt, über deren richtige Lösung nachzudenken.
Wir glauben nicht, daß die Sachen darunter leiden, wenn
man sich erst öffentlich darüber ausspricht; im Gegenteil, wir
halten eS für verkehrt, eine Sache anzugreifen, ohne sich darüber
vorher durch Rede und Gegenrede belehren zu lassen. Denn
auch darin untershceiden wir uns von anderen, daß wir bei
unseren Unternehmungen erst wägen und dann wagen, während
sie dummdreist draufgehen und, wenn sie zur Besinnung kommen,
den Mut verlieren. Der wahre Mut ist es denn doch, sich zu
nächst klarzumachen, was man zu hoffen und zu fürchten hat, und
dann doch nicht vor der Gefahr zurückzushcrecken. Auch über
Wohltun deuten wir anders als die meisten; nicht durch Nehmen,
sondern durch Geben suchen wir uns Freunde zu machen. Wer
einem anderen eine Wohltat erweist, hält fester an der Freund
schaft und sucht sich dessen Dankbarkeit durch fortgesetztes Wohl
wollen zu erhalten; der durch eine Wohltat Verpflichtete da
gegen läßt es schon eher darauf ankommen, weil er sich sagt,
daß er sie nicht erwidert, um dem anderen eine Freude zu
machen, sondern um eine Schuld abzutragen. Wir sind die
einzigen, die nicht aus Berechnung und um eigenen Vorteils
willen, sondern als freie Männer auch ohne Nebenabsichten
vertrauensvoll und furchtlos anderen Wohltaten erweisen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.