nicht minder in anderen Stücken. Denn wir sind Freunde des
Schönen, ohne im Auswande das Maß zu überschreiten, und pflegen der
Wissenschaft, ohne uns verweichlichen zu lassen. Aus unserem Reich- 1
thum machen mir eine Gelegenheit zur That, nicht zur Prahlerei imt c
Worten, und zu gestehen, daß Einer arm sei, gereicht ihm nicht zur
Schande; viel schimpflicher ist's, die Armuth durch Fleiß nicht fern
zu halten. Ein und dieselben Männer widmen sich den eigenen
Angelegenheiten und den Aemtern des Staates, und die Andern, die dem
Landban und den Gewerben obliegen müssen, haben deshalb keinen
schlechten Verstand in Staatsdingen; denn allein bei uns wird Einer,
der von Staatssachen sich ganz fern hält, nicht für einen Ruheliebenden,
sondern für einen unnützen Menschen angesehen. Auch sind wir es,
welche die Verhältniss; auf die richtige Weise beurtheilen, oder doch
wenigstens in Erwägung ziehen, denn wir sind nicht der Ansicht, daß
durch das Reden die Thaten Schaden leiden, sondern im Gegentheil
dadurch, wenn man an die That geht, ohne vorher durch die Rede
belehrt worden zu sein. Denn auch das ist ein großer Vorzug, den wir
vor Andern voraus haben, daß muthiges Wagen und bedächtige
Ueberlegung dessen, was wir unternehmen wollen, bei uns vereinigt sind,
während bei Andern nur Unkenntniß der Gefahr Kühnheit erzeugt,
Ueberlegung aber Zagheit. Für die tapfersten Seelen werden aber mit
Recht wohl die gehalten, welche das Schreckliche wie das Angenehme
genau kennen und dabei doch vor Gefahr nicht zurückshceuen."
als die meisten; denn nicht durch Empfangen, sondern durch Wohlthaten
erweisen erwerben wir uns Freunde. Beständiger ist ja die Gesinnung
des Wohlthäters, der das schuldige Dankgefühl durch fortgesetztes
Wohlwollen bei dem Empfänger zu erhalten bemüht ist. Der zum Dank
Verpflichtete ist schon weniger eifrig, da er nicht um freie Gunst zu
erweisen, sondern um eine Schuld abzutragen, das empfangene Gute
erwidern muß. Wir allein sind es, die weniger aus Berechnung des
Nutzens als aus edlem Vertrauen einer freien Denkart Andern
Wohlthaten erweisen, ohne Undank zu fürchten."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.