Inseln und in den Küstenländern legten sich, nachdem sie auch
über See in lebhafteren Verkehr miteinander getreten waren, als
bald auf den Seeraub, wobei die Mächtigsten, teils um eigenen
Gewinstes willen, teils um auch den Armeren Unterhalt zu
verschaffen, die Führung übernahmen. Sie überfielen die un
befestigten, noch aus einzelnen Ortschaften bestehenden Städte
und plünderten sie, ja, das bildete gradezu ihren Haupterwerbs
zweig. Auch galten solche Raubzüge nicht etwa für schimpflich,
sondern eher für Heldentaten. Gibt es doch auf dem Festlande
auch jetzt noch Gegenden, wo man sich darauf was zugute tut,
wie denn auch bei den alten Dichtern an Seefahrer bei ihrer
Ankunft regelmäßig die Frage gerichtet wird, ob sie Räuber
seien, ohne daß sie selbst daran Anstoß nehmen oder die Fra
genden ihnen damit einen Vorwnrf machen wollen. Übrigens
war daS Räuberwesen auf dem festen Lande nicht minder im
Schwange. Bis auf den heutigen Tag herrscht ja in Griechen
land vielfach noch die alte Wohnweise, so bei den ozolischen
Lokrern, den Ätoliern, den Akarnaniern und in den ihnen be
nachbarten Landesteilen, und das bei der dortigen Bevölkerung
immer noch übliche Waffentragen ist ein Rest des alten Räuber
wesens.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.