unsicher waren, war es in Griechenland ganz allgemein, Waffen
zu tragen; auch im gewöhnlichen Leben ging man, wie die
Barbaren, immer bewaffnet. Und eben daraus, daß das in
solchen Gegenden Griechenlands, wo sich die alte Wohnweise
erhalten hat, auch jetzt noch Sitte ist, können wir schließen,
daß sie früher allgemein gewesen sein wird. Mit die Ersten, welche
das Waffentragen aufgaben und eine bequemere, beinah üppige
Lebensweise annahmen, waren die Athener. Es ist so lange
noch nicht her, daß hier die älteren Herren der besseren
Stände, verwöhnt wie sie waren, leinene Unterkleider trugen
und das Haar auf dem Kopfe mit der goldenen Cikade auf
steckten. Bei unseren ionischen Vettern haben sich die älteren
Leute noch länger so getragen. Die heutige schlichte Tracht ist
erst bei den Lakedämoniern aufgekommen, wo sich die Lebens
weise der Reichen dem Zuscknitt der Gesamtheit überhaupt
am meisten angepaßt hat. Bei ihnen wurde es auch zuerst
Sitte, sich beim Turnen nackt auszuziehen und vor aller Augen
den bloßen Leib mit Ä einzureiben. Auch bei den olympischen
Spielen traten die Wettkämpfer früher mit einem Schamgürtel
auf, und erst vor wenigen Jahren ist das abgekommen. Wo
bei den Barbaren, namentlich den Asiaten, heutzutage Faust
oder Ringkämpfe gehalten werden, wird immer noch ein solcher
Gürtel getragen. So ließe sich auch sonst wohl noch manches
anführen, worin die altgriechischen Sitten mit denen der
heutigen Barbaren übereinstimmten.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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