haben, uns über sie zu beschweren, sie dagegen Räuber und
Schelme sind. Nun müssen wir euch auch noch zeigen, daß
ihr nicht das Recht habt, sie zu Bundesgenossen anzunehmen.
Wenn es nämlich in dem Vertrage heißt, daß es den unein
geschriebenen Staaten freistehen solle, sich nach Belieben einem
der beiden Bündnisse anzuschließen, so ist das nicht so gemeint,
daß sie das auch dann dürfen, wenn es einem Dritten zum
Schaden gereicht, sondern es bezieht sich nur auf den Fall,
wo einer Schutz begehrt, ohne sich damit bestehenden Verpflich
tungen zu entziehen, und der um Schutz angegangene Staat,
falls er nur sonst vernünftig handelt, nicht zu besorgen hat,
dadurch aus dem Frieden zu fallen und in Krieg verwickelt
zu werden. Das aber habt ihr zu gewärtigen, wenn ihr nicht
auf uns hört; denn ihr würdet als ihre Beschützer auch unsere
Feinde werden, statt daß ihr jetzt Frieden mit uns habt. Denn
geht ihr mit ihnen, so sind wir selbstvertsändlich genötigt, euch
so gut wie sie zu bekämpfen. Wollt ihr korrekt handeln, so
müßt ihr neutral bleiben oder aber mit uns gemeinschaftliche
Sache gegen sie machen. Mit Korinth habt ihr doch wenigstens
Frieden, zwischen Kerkyra und euch dagegen hat niemals, auch
nur für kürzere Zeit, etwas Derartiges bestanden. Führt es nicht
ein, abgefallene fremde Orte in Schutz zu nehmen! Damals,
als die Samier von euch abgefallen und die Meinungen im
Peloponnes geteilt waren, ob man ihnen beistehen solle, haben
wir uns auch nicht gegen euch erklärt, sondern entschieden dafür
ausgesprochen, daß es keinem verwehrt sein dürfe, seine Bundes
genossen im Zaume zu halten. Nehmt ihr jetzt dieses Volk in
Schutz, das sich so ungebührlich gegen uns benimmt, so werdet
ihr erleben, daß eure Bundesgenossen erst recht zu uns über
gehen. Eure Neuerung würde also mehr zu eurem eigenen
als zu unserem Schaden gereichen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.