wir jetzt, einen anderen um Hilfe bittet, ohne sich dabei auf
besondere Verdienste oder Bundesgenossenschaft berufen zu
können, zunächst den Beweis, daß die Gewährung dieser Bitte
auch ihm nützen, mindestens nicht schaden werde, und daß er
dafür mit Sicherheit auf Dank rechnen könne. Vermag der
Bittsteller ihn davon nicht zu überzeugen, so darf er sich nicht
wundern, wenn er einen Korb kriegt. In der Meinung, euch
in dieser Hinsicht volle Sicherheit bieten zu können, haben uns
die Kerkyräer gesandt, euch um ein Bündnis zu bitten. Leider
ist unsere bisherige Politik nicht darnach gewesen, uns ein An
recht auf eure Hilfe zu erwerben, und wir sind dadurch eben
jetzt in eine böse Lage geraten. Wir, die wir uns bis dahin
mit niemand freiwillig auf ein Bündnis eingelassen, sind jetzt
hier, um vor fremden Türen selbst darum zu bitten. In dem
bevorstehenden Kriege mit den Korinthern sind wir auf uns
allein angewiesen, und was wir früher für weise Selbstbeschrän
tung hielten, unsere Haut nicht in Koalitionskriegen für fremde
Rechnung zu Markte zu tragen, erweist sich jetzt als eine fehler
haste und schwächliche Politik. Allerdings haben wir in jener
Seeschlacht die Korinther auch allein geschlagen, jetzt aber,
wo sie uns besser gerüstet mit Verstärkungen aus dem Pelo
pvnnes und ganz Griechenland zu Leibe wollen und wir keine
Aussicht haben, uns ihrer mit eigenen Kräften zu erwehren,
im Fall einer Niederlage aber in große Gefahr geraten würden,
sind wir gezwungen, uns bei euch und überall nach Hilfe um
zusehen, und man wird es uns zugute halten, wenn wir damit
der Neutralitätspolitik entsagen, die wir bisher nicht in böser
Absicht, sondern aus Irrtum befolgt haben.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.