nicht zu rechnen war, und sich nicht zu helfen wußten, schickten
sie nach Delphi, um den Gott zu befragen, ob sie sich Korinth
als ihrer Mutterstadt übergeben und versuchen sollten, von
dort Hilfe zu erhalten. Der Gott riet ihnen auch, das zu tun
und sich unter die Führung der Korinther zu stellen. Sie
wandten sich also nach Korinth, um sich nach dem Ausspruch
des Orakels dort als Tochterstadt zu übergeben, wiesen darauf
hin, daß der Gründer ihrer Stadt aus Korinth gewesen sei,
und baten, sie in der Not nicht im Stich zu lassen, sondern
sich ihrer anzunehmen. Die Korinther erklärten sich dazu auch
bereit, da sie Epidamnos mit Fug und Recht so gut als eine
Kolonie von Korinth wie von Kerkyra ansehen zu können glaubten.
Zudem haßten sie die Kerkyräer, die es als ihr Pflanzvolk an
der schuldigen Rücksicht gegen sie fehlen ließen. Denn man
gab ihnen dort bei festlichen Gelegenheiten nicht die schuldigen
Ehren, ließ auch keinem Korinther den Vortritt beim Opfer,
wie das in Kolonien sonst üblich ist, sondern behandelte sie
von oben herab, weil man sich damals als Geldmacht den
reichsten Griechenstädten an die Seite stellte, für den Krieg
besser als andere gerüstet war und sich zuweilen rühmen konnte,
die stärkste Flotte zu besitzen. Denn wie ihre Insel schon ehe
mals von dem berühmten Seevolke der Phäaken bewohnt ge
. Wesen war, so hatten sich auch die Kerkyräer besonders auf
die Flotte gelegt und es zur See zu hoher Macht gebracht;
denn bei Beginn des Krieges hatten sie nicht weniger als
hundertundzwanzig Trieren.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
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