seine Feinde, keine genügenden Beweise in Händen, um einen
Mann aus königlichem Hause, der zudem eben jetzt die höchste
Würde bekleidete, zur Strafe ziehen zu können. Pausanias
war nämlich ein Vetter und als solcher Vormund des noch
minderjährigen Königs Pleistoanax, des Sohnes des Leonidas.
Immerhin hatte er sich durch Verstoß gegen die heimische Sitte
und die Annahme persischer Lebensweise in hohem Grade ver
dächtig gemacht, daß er sich gegen die bestehende Ordnung
auflehnen wolle, und man sah sich deshalb danach um, was
er sich in dieser Beziehung etwa noch weiter habe zuschulden
kommen lassen. So hatte er sich schon früher herausgenommen,
auf den Dreifuß, den die Griechen von der Perserbeute nach Delphi
gestiftet hatten, eigenmächtig folgende Inschrift zu setzen:
Weil er als Führer der Griechen die Heere der Meder vernichtet,
Weihte Pausanias dir, Phoibos, dieses Geschenk.
gleich wieder beseitigen lassen und statt dessen die Namen der
Städte daraus angebracht, von denen das Weihgeschenk nach
ihrem gemeinsamen Siege über die Perser gestiftet worden war.
Hatte man das Pausanias immer schon verdacht, so machte
sein jetziges Gebaren eS vollends wahrscheinlich, daß er schon
damals ähnliche Pläne gehabt habe. Weiter hieß es, er habe
sich auch mit den Heloten eingelassen, und das war auch an
dem; denn er hatte ihnen Freiheit und Bürgerrecht versprochen,
falls sie sich auch empören und gemeinschaftliche Sache mit ihm
machen würden. Aber wenn auch Aussagen einiger Heloten
gegen ihn vorlagen, konnte man sich nach dem in Sparta stets
befolgten Grundsatze, niemals übereilt und ohne die unzwei
deutigsten Beweise einen Spartiaten scharf anzufassen, noch
immer nicht zu einem auffallenden Schritt gegen ihn ent
schließen, bis dann ja, wie es heißt, der Bote, welcher dem
Artabazos seinen letzten Brief an den König überbringen sollte,
ein junger Mensch aus Argylos, der früher mal sein Lieb
ling und ihm bis dahin treu ergeben gewesen war, ihn an
die Ephoren verriet. Dem war es aufgefallen, daß von den
früheren Boten keiner wieder zurückgekommen war. Daraus
hatte er Verdacht geschöpft und den Brief geöffnet, nachdem
er vorher das Siegel nachgemacht, um sich nicht zu verraten,
falls er einen falschen Verdacht gehabt haben sollte oder
Pausanias, um etwas in dem Briefe zu ändern, ihn zurück-
fordern würde. Und wie er etwas derart vermutet, stand auch
wirklich darin, man solle ihn töten.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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