Vorwort
heutiges Deutsch zu übersetzen in der Weise, wie es der
vortrefflichen Heilmannschen Übersetzung (Lemgo 1760) in der
Sprache ihrer Zeit gelungen war. Sollte der geehrte Leser die
Sprache nicht so fließend sinden, wie wir sie in guten deutschen
Büchern gewohnt sind, so bitte ich ihn zu bedenken, daß er
eben eine Übersetzung vor sich hat, und daß der Übersetzer bei
aller Freiheit, die er sich im einzelnen gestatten darf, in der
Hauptsache denn doch an die Eigenart des fremden Idioms
gebunden bleibt. Dazu die Hindernisse, welche die vielfach
unverdeutschbaren militärischen und politischen Bezeichnungen
des Altertums auf Schritt und Tritt bereiten. Eine gewisse
Schwierigkeit bildet die Wiedergabe der Orts- und Eigennamen.
Noch Ranke wählte in seiner Weltgeschichte bei den bekannteren
Namen die Form, in der sie durch die Vermittelung der lateini
schen Literatur auf uns gekommen sind. Neuerdings ist es mehr
und mehr üblich geworden, sich an die ursprüngliche griechische
Form zu halten. Einen Zimon oder Pisistratus kann man in
der Übersetzung eines griechischen Schriftstellers dem Leser nicht
wohl mehr bieten, und ich habe deshalb im allgemeinen die
griechischen Namen in der bei uns hergebrachten Aussprache
beibehalten. Indessen wird man darin doch nicht so weit gehen
dürfen, wie es jetzt in philologischen Fachschriften hin und
wieder geschieht. ES gibt eine Anzahl Namen, bei denen uns
die latinisierte Form nun einmal sozusagen in Fleisch und Blut
übergegangen ist. DaS gewohnte Troja, Delphi, Platää, die
Thebaner, Lakedämonier usw. würde sich die Mehrzahl der Leser
ungern nehmen lassen. Eine feste Grenze freilich gibt eS in
dieser Hinsicht nicht. ES ist schließlich Geschmackssache, wie
man sie ziehen will. So schien eS mir daS beste, im Zweifel
zu schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen war. Bei den
alteingebürgerten deutschen Namen wie Homer, Korinth,
Ägypten usw. hatte eS selbstvertsändlich zu bewenden.
Thukydides als die Ursache des Peloponnefischen Krieges. Wir
verstehen heute, was das sagen will. Aber auch sonst gibt der
Peloponnesische Krieg, in dem sich Griechenland politisch ver
blutete, Anlaß zu Vergleichungen mit dem gegenwärtigen Welt
kriege. Die Betrachtungen, welche Thukydides in seinen Reden
den handelnden Personen in den Mund legt, erscheinen unS
manchmal wie für die Gegenwart geschrieben. Und wenn er
sein Werk mit Recht ein Buch für immer nennt, so können
wir es noch in einem ganz besonderen Sinne ein Buch für
heute nennen. Unter diesen Umständen dürfte eine Übersetzung
grade jetzt wohl angebracht und willkommen sein.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
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