Thorheit verfallen, hieher zu kommen, um sich uns in die Hände zu
geben, der ist entweder feig, oder meint es nicht gut mit der Stadt.
Ueber die Keckheit derjenigen aber, welche euch dergleichen ankündigen,
um euch recht Angst zu machen, wundere ich mich keineswegs, wohl
aber über ihre Dummheit, wofern sie nämlich glauben, nicht durch-
schaut zu werden. Wer nämlich für seine Person etwas zu fürchten 1
hat, der will sogleich den ganzen Staat in Furcht und Verwirrung
setzen, um unter der allgemeinen Furcht die seinige zu verstecken, und
ein anderer Kern ist denn auch hinter diesen Botschaften nicht zu
suchen: sie sind keineswegs von selbst entstanden, sondern von Leuten
erdichtet, welche von jeher in unsere Angelegenheiten Verwirrung
bringen wollen. Ihr aber, sofern ihr euch gut zu berathen denkt,
werdet nicht nach dem Gerede dieser Männer auf die wahrscheinliche
Wahrheit schließen wollen, sondern nach dem, was so tüchtige und
vielerfahrene Menschen, wie es die Athener meiner Meinung nach
sind, wohl thun würden. Denn es ist nicht wahrscheinlich, daß sie
die Peloponnesier im Rücken lassen und, ohne noch den dortigen Krieg
aus eine für sie sichere Weise beendigt zu haben, aus freiem Entschluß
zu einem andern, nicht unbedeutenderen Krieg ausziehen sollten. Ich
bin vielmehr im Gegentheil der Meinung, daß sie recht froh find,
wenn wir, ein Bund von so vielen und großen Städten, nicht gegen
sie ziehen."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
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