Weisung eines Orakelspruchs die Reinigung von Delos vor ^'). Auch
schon Peisistratos, der Tyrann, hatte nämlich die Insel früher einmal
gereinigt, aber nicht die ganze, sondern nur was man von dem
Tempel aus übersehen konnte. Jetzt aber wurde die ganze Insel gereinigt
und zwar auf diese Weise. So viel Särge von Todten aus Delos
waren, die schafften sie alle weg, und für die Zukunft, geboten sie, dürfe
weder Einer auf der Insel sterben, noch auch ein Weib gebären,
sondern die solle man nach Rhenea hinüberschaffen. Es liegt aber Rhenea
so nahe bei Delos, das; Polykrates, der Tyrann der Samier, als er
eine Zeitlang die See beherrschte und nach Unterwerfung der andern
Inseln auch Rhenea genommen hatte, sie dem delischen Apollo als
Weihgeschenk gab, indem er sie mit einer Kette an Delos sestband.
Damals zuerst nach der Reinigung begingen auch die Athener das
nach jedem vierten Jahre wiederkehrende Feste der Delien. Es strömte
aber auch schon in alten Zeiten viel Volks nach Delos, sowohl von
den Joniern, als von den benachbarten Inselbewohnern. Sie
veranstalteten nämlich Wallfahrten mit ihren Weibern und Kindern, sowie 1 2
jetzt die Jonier zum Fest der Ephesien ^), und es wurde dabei ein
Wettkampf gehalten im Ringen und in den musischen Künsten und die
Städte führten Chortänze auf. Daß dergleichen stattfand, beweist
vorzüglich Homer in den folgenden Worten, die dem Lobgesang auf Apollon
entnommen sind
Doch wann Delos vor Allen das Herz dir erfreuet, o Phöbos,
Dort dann sammeln sich dir schleppsäumige Männer Jaons,
Sie, sammt ihren Gesprossen und Gattinnen, nahe dem Tempel.
Dann auch im Kampfe der Faust, im Gesang und verschlungenen Reigen
Deiner gedenkend, ersreuen sie dich in geordnetem Wettkampf.
stattfanden und Preisbewerber sich einstellten, beweist er ebenfalls, und zwar
in folgenden Worten, die demselben Lobgesang entnommen sind.
Nachdem er nämlich den delischen Chor der Frauen gepriesen hat, schließt
er sein Loblied mit diesen Worten, in denen er auch seiner selbst
gedenkt:
Aus nun, und gnädig erzeige sich uns mit der Schwester Apollon I
Seid mir, ihr Frauen, noch Alle gegrüßt! Doch meiner gedenkt auch
Später einmal, wenn einer der erdanwohnenden Männer
Wandernd daher euch fragt, gleich mir auch erprobet im Dulden:
»Jungsraun, welcher der Männer ist euch als der lieblichste Sänger
„Hier genaht, und welcher erfreute das Herz euch am meisten?"
Dann antwortet mir Alle zumal in erfreulichem Einklang:
Er, der erblindete Mann, der wohnt in der felsigen Chios.
schon in alter Zeit eine große Menschenmenge zum Fest nach Delos
strömte. Später aber sandten die Inselbewohner und die Athener
Chöre mit Weihopfern dahin. Die Veranstaltung mit den
Wettkämpfen aber und das meiste Andere war durch die Ungunst der Umstände
in Vergessenheit gerathen, wie natürlich, bis dann endlich damals die
Athener die Wettspiele wieder einführten und dazu noch Pferderennen,
die früher nicht stattgefunden hatten. ' i 3 4
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
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