Thucydides History of the Peloponnesian War 1.17

Adolf Wahrmund (Translator)

History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.

Sponsored by University of Leipzig.

Funding provided by European Social Fund Saxony.

Current edition First1KGreek

Geschichte des Peloponnesischen Kriegs (German) (Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Wahrmund, Adolf, translator. Stuttgart: Krais and Hoffmann, 1864.)

Editions (1)
Ἱστορίαι Perseus (Thucydides. Historiae, Vol 1-2. Jones, Henry Stuart, editor. Oxford: Oxford University Press, 1910. (1942 printing).) — 1.17.1 focus
Translations (9)
The History of the Grecian War Perseus (Thucydides. The English works of Thomas Hobbes of Malmesbury. Hobbes, Thomas. translator. London: John Bohn, 1843.) — 1.17.1 focus
History of the Peloponnesian War Perseus (Thucydides. History of the Peloponnesian War. Crawley, Richard, translator. London and Toronto: J. M. Dent and Sons Ltd.; New York: E. P. Dutton and Co., 1914.) — 1.17.1 focus
Geschichte des Peloponnesischen Kriegs First1KGreek (Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Braun, Theodor, translator. Leipzig: Insel-Verlag, 1917.) — 1.17 focus
Histoire de la Guerre du Péloponèse First1KGreek (Thucydides. Histoire de la Guerre du Péloponnése, Vol. 1-2. Zévort, Marie Charles, translator. Paris: Charpentier, 1852.) — 1.17 focus
Histoire de la Guerre du Péloponnése First1KGreek (Thucydides. Histoire de la Guerre du Péloponnése. Bétant, Élie-Ami, translator. Paris: Librairie de L. Hachette, 1863.) — 1.17 focus
History of the Peloponnesian War First1KGreek (Thucydides, Vol. 1-4. Smith, Charles Foster, translator. London and Cambridge, MA: Heinemann and Harvard University Press, 1919-1923.) — 1.17.1 focus
History of the Peloponnesian War First1KGreek (Thucydides. The history of the Peloponnesian War, Volume 1-2. Dale, Henry, translator. London: Heinemann and Henry G. Bohn, 1851-1852.) — 1.17.1 focus
Historia Belli Peloponnesiaci First1KGreek (Historia Belli Peloponnesiaci. Haase, Friedrich, translator. Paris: Firmin Didot, 1869.) — 1.17.1 focus
La storia di Tucidide First1KGreek (Thucydides. Della storia di Tucidide volgarizzata libri otto. Anonymous translator. Florence: Tipografia Galileiana, 1835.) — 1.17 focus

Notes on the current edition

History of the Peloponnesian War

1. Samier aus Seiten der Chalkidier. Herod. V, II. Wann, ist unbestimmt.
Etwa um 650. Entstanden war er um das lelantische Gefilde. Strabo X, I.
p. 443 und p- 4S5. (Kr.)
2. 50) Anders erzählt Herod. I, 143. 169, vgl. jedoch III, 141. (Kr.)
3. 50*) Die älteste Staatssorm unter den Hellenen ist das Königthum.
Dieses hat aber im Allgemeinen einen Adel zur Voraussetzung, denn in den
meisten Fällen ist der König nur der Erste unter seines Gleichen, den Basileis,
Basiliden, d. i. Königs- oder Adelsfamilien. Der Adel bildete und ergänzte
sich aus Familien, an deren Spitze Männer von hervorragender Tapferkeit,
Einsicht oder Wohlhabenheit standen, denn diese Eigenschaften machen unter allen
Umständen ihre Macht von selber geltend. Unter gefährlichen, unruhigen,
kriegerischen Verhältnissen, welche eine einheitliche Leitung deS vorhandenen Staatswesens
durchaus nothwendig machen, tritt Einer an die Spitze und vereint in seiner
Person größere Macht. Dieser heißt der König. Das Lager der Griechen vor
Troja ist das Urbild eines solchen Staates. Das Volk der hauptumlotten
Achaier wird von Königen geführt, an deren Spitze Ngamemnon als der König
steht. Denn vor allen Andern zwingt der Krieg den Grundsatz auf: „Nicht gut
ist Vielherrschast: Einer sei Herrshcer, Einer König, dem Zeus es gibt," d. h.
den die von der Noth bestimmten und von den Göttern gelenkten Umstände als
den Tüchtigsten dazu machen. Der Hergang dabei ist nicht immer so einfach, wie
ihn das Epos darstellt, die Mittel, die angewendet werden, oft verbrecherisch.
Beispiel: Chlodwig schafft die andern fränkischen Basileis auf die Seite, erobert
mit der Mehrzahl der freien Franken ein großes Reich und vertheilt es unter
seine Söhne. Die freien Franken werden mit Ländereien samt deren
Bevölkerung belehnt und bilden den Urstamm eines Avels, der bestimmt scheint, Mittel-
europa gegen anderthalb Jahrtausend zu beherrschen. Die Herakliden
kommen um 1104 mit freien Doriern, Aetolern u. s. w. in den Peloponnes, erobern
ihn, vertheilen ihre Familienhäupter als Könige: Temenos erhält Argos,
wozu später Epidaurus, Trözen, Kleonä, Phlius und Sikyon kommen;
Aristodemos und seine Söhne erhalten Lakonien; KrssphonteS Messenien; Aletes
4. Korinth; Oxylos, der Führer der Aetoler, wird König von Elis u. s. w.
Die früheren Einwohner werden vertrieben oder bleiben als mehr oder weniger
freie Bürger, halbfreie Bauern oder ganz Leibeigene. Die Familien der Eroberer,
die nicht königliche werden können, vertheilen sich als Adel über Stadt und Land.
Hätten z. B. die Griechen unter Agamemnon Troja nicht nur zerstört, sondern
Troas und die angrenzenden Landschaften in dauernden Besitz genommen und sich
von da weiter ausgedehnt, so wären in jenem Theil Kleinasiens wieder ganz
ähnliche politische Verhältnisse entstanden.
5. Wenn aber die Könige den vererbten Besitz nicht zu schützen verstehen, im
Kriege sich nicht als tapfere und geschickte Anführer zeigen oder
Gewaltthätigkeiten und Unrecht begehen, so werden sie gestürzt, und zwar durch die nächst-
mächtigen Adelsfamilien, Basiliken, und diese bilden nun, indem sie die Gewalt
unter mehr oder weniger Familien verweilen, eine Oligarchie, d. h. eine
Herrschaft Weniger. So geht z. B. in Korinth nach dem Sturze des
Königthums um die Mitte des 8. Jahrhunderts die Macht an die heraklidifchen
Familien der Bakchiaden über. Jede Macht innerhalb des Staates stützt sich aus
Vermögen. Dies besteht theils in Grundbesitz und Naturalien, theils in Geld;
im Fortschritt der Zeit aber immer mehr und mehr in Geld (vgl. Anm. 2 7*).
Geld erwerben aber zunächst Nichtadelige. Adelige werden arm und verschmähen
es nicht, sich mit den reichen Nichtadeligen zu verschwägern, die dann auch in die
Oligarchie aufgenommen werden müssen. Diese verliert also ihre Abgeschlossenheit
und wird zu einer weiteren Aristokratie. Gegen diese Erweiterung sträubt
sich aber, sobald ihre Folgen deutlicher an den Tag treten, die Mehrzahl des
oligarchischen Adels und macht wieder Abschließungsversuche. Der Haß der Andern,
den sie überdies von vornherein Heraussordern, wird nun noch mehr gereizt und
herausgefordert. Nicht nur daß Ueppigkeit und gereizter Uebermuth der
Olig'archen Achtung und Vertrauen des Volks vershcerzen, „sie kränken es durch
Gewaltthätigkeiten und Verletzungen auch in solchen Verhältnissen, in denen verletzt zu
werden kein Mann geduldig erträgt, wie wenn die Ehrbarkeit der Weiber, die
Keuschheit der Kinder angetastet wird; sie zeigen überall, daß ihnen nicht das
Wohl des Ganzen, sondern nur ihr Standesinteresse und die Befriedigung ihrer
Gelüste am Herzen liege." (Schömann, Griech. Alterth. I, S. 162.) Die
steigende Mißstimmung des Volkes benutzen nun ehrgeizige Köpfe, welche meist dem
Adel ganz oder halb angehörten und eben daher wissen, wie man politische
Gewalt erlangt und festhält, und die durch irgend welche Beleidigung zur Rache
am Adel angestachelt werden, welche Rache ihnen zugleich die Herrschaft verspricht.
Da für sich allein Niemand etwas vermag, aus dem Adel selbst aber nur in
sehr seltenen Fällen eine Partei zu gewinnen ist, so müssen sich solche Männer
auf das Volk stützen. Sie werden zunächst Demagogen Wodurch sie gleichzeitig
den Samen zur nachfolgenden Demokratie ausstreuen) und erkämpfen sich an der
6. Spitze der Volkspartei die Alleinherrschaft, griechisch Tyrann is. Beispiel:
Die Bakchiaden in Korinth verschwägerten sich nur unter sich selbst
und ließen nicht einmal die Verheirathung in andere Adelsgeschlechter zu.
Einmal wurde doch eine Ausnahme gemacht. Eine Tochter einer Bakchiadenfamilie
heirathete einen minderberechtigten Adeligen. Deren Sohn Kypselos, der sich
von der Theilnahme an der Staatsgewalt ausgeschlossen sah, wußte es zu einer
Beschlshaberstelle zu bringen und gewann durch demagogische Mittel die Tyrannis.
Aehnlich Peisistratos in Athen, Theagenes zu Megara, Syloson auf
Samos, Aristodemos in Kyme und viele Andere. (Ganz ähnlich ist Napo»
leon III., welcher der herrschenden Fürftenoligarchie halb und halb angehörte, durch
demagogische Mittel aus den Thron gelangt.) Seltener ist es, daß Männer aus
den unteren Ständen sich emporschwingen, wie Orthagoras oder Andreas in
Sikyon (Eromwell, Napoleon I.). Wenn auch die Tyrannen zum Theil
vortrefflich regierten, wie die Orthagoriden, Kypselos, Peisistratos, so ertrug der nach
der Rechtsgleichheit sür Alle strebende Sinn der Griechen, der nun auch theoretisch
mehr und mehr im demokratischen Sinn beeinflußt wurde, die Tyrannis fast überall
nur kurze Zeit.
7. Drei andere hieher gehörige Erscheinungen sind: 1) In manchen Städten
wurden die feindlichen Parteien (aristokratische und demokratische Elemente) des
Kampfes müde und wählten Vertrauensmänner, Aefymneten, als Gesetzgeber
und zeitweilige (constitmionclle) Regenten. — 2) Die allgemeine geistige
Erregtheit erweckte einzelne Männer, die als Reformatoren der Sitten, des Cultus und
der gesamten Grundlagen des Staatswesens auftraten; so Epimenides aus
Kreta / Pythagoras aus Samos. — 3) Auch der Einfluß der Orakel in
politischen Dingen wurde größer. Hierüber später.
8. 51) Gelon von Syrakus und fein Bruder und Nachfolger Hieron. Der
Erstere wirkte aber auch in der edelsten Weise. Er schlug und vernichtete das
ungeheure Heer und die Flotte der mit Xerxes verbündeten Karthager bei Himera
(wie eine Sage will, am selben Tage mit der Schlacht von Salamis) und war
gerüstet, denen in Hellas zu Hilfe zu kommen. Seine Weisheit und Milde
bewirkten, daß die Sicilifchen Städte sich ihm freiwillig unterwarfen. Er selbst
blieb bis zum Tode der strengste Beobachter der Gesetze und erschien unbewoffnet
in einer Volksversammlung, in welcher Alle bewaffnet erscheinen mußten (also
Jedem sein Leben preisgebend) und legte Rechenschaft ab von Allem, was er
gethan (Diod. II, 26, 38). Sein weniger gut gearteter Bruder Hieron war
doch durch Gelons Beispiel gezwungen, nicht allzusehr anS der Art zu schlagen. —
Theron von Akragas ist hier weniger gemeint.