Geld überall hinderlich fein wird, weil sie dasselbe nur unter Zögerung
und Schwierigkeiten beschaffen können; aber im Kriege warten die
Gelegenheiten auf Niemanden. Im Uebrigen sind von ihrer Seite
weder verschanzte Angriffswerke gegen uns zu fürchten, noch auch ihre
Seemacht. Es ist schon im Frieden schwer, eine solche Festung auf
einen Fuß zu bringen, daß sie den Gegner im Schach hält, viel
weniger im Krieg und während auch wir unserseits eine solche
entgegensetzen können. Und selbst wenn sie wirklich Verschanznngen zu Stande
bringen, so ist es zwar nicht unmöglich, daß sie durch Einfälle einen
Theil unseres Gebietes schädigen und Ueberläufer 22^ an sich ziehen; 1 2 3
aber ihre Verschanzungen können uns doch nicht hindern, an ihren
Küsten zu landen und den Kampf mit der Flotte zu führen, in der
unsere Stärke liegt. Denn wir haben aus dem Seekrieg mehr
Erfahrung für den Landkrieg gewonnen, als jene aus dem festländischen
Krieg für den Kampf zur See. Des Seewesens kundig zu werden,
möchte ihnen aber sehr schwer fallen; denn nicht einmal-ihr, die doch
gleich mit dem Beginn der Perserkriege euch darauf verlegt habt, habt
darin schon ausgelernt. Wie sollten denn nun Männer, deren
Geschäft der Ackerbau und nicht die Schifffahrt ist, etwas der Rede
Werthes ausführen können, zumal ihr ihnen durch immer wiederholte
Angriffe eurer Flotte nicht einmal Zeit zur Uebung lassen werdet?
Und wenn sie auch in ihrer Unerfahrenheit, aus der eigenen Ueberzahl
Muth schöpfend, den Kampf gegen kleine Geschwader wagen sollten,
so müssen sie sich doch ruhig verhalten, wenn sie von einer zahlreichen
Flotte eingeschlossen sind, und werden dann des Mangels an Uebung
wegen um so ungeschickter und eben deshalb auch um so zaghafter sein.
Wenn aber irgend etwas Anderes, so ist das Seewesen eine Kunst, die
nicht gelegentlich und nur so nebenher geübt sein will, sondern
im Gegentheil, es darf neben ihr her nichts Anderes betrieben
werden."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.