stets die Hände binden wird, solange sie sich so wenig beeilen,
sich damit zu rechter Zeit zu versehen. Die Gelegenheiten im
Kriege warten nicht. Auch vor ihren Trutzwerken und Flotten
brauchen wir unS nicht zu fürchten. Ein Trutz-Athen zu bauen,
würde ihnen schon im Frieden schwer werden, und nun gar
in Feindesland, und wo auch wir unsere Grenzfestungen gegen
sie haben. Sollten sie wirklich irgendeinen kleineren Platz
befestigen, so könnten sie uns freilich von dort einen einzelnen
Landesteil durch Streifzüge verheeren und unsere Leute zum
Ausreißen verlocken, uns aber dadurch nicht hindern, ihnen
zu Schiff ins Land zu fallen, um dort auch Festungen anzu
legen und sie mit unserer überlegenen Flotte zu bekämpfen.
Wir haben im Seekriege mehr für den Landkrieg gelernt als
sie in ihren Festtandskriegen für den Krieg zur See. Und
so leicht werden sie es-nicht dahinbringen, auch tüchtige See
leute zu werden. Sind wir doch selbst hier in Athen, wo
man sich schon seit den Perserkriegen auf die See geworfen
hat, in dieser Beziehung immer noch in den Lehrjahren. Wie
sollten denn diese Bauern, diese Landratten, gleich brauchbare
Seeleute werden, zumal wenn wir mit unseren vielen Schiffen
sie in ihre Häfen einsperren und es ihnen dadurch unmöglich
machen, sich im Seedienst zu üben. Möglich, daß sie sich im
Vertrauen auf ihre Überzahl mal zu einem Gefecht mit ein
paar Blockadeschiffen herauswagen; aber einer großen Flotte
gegenüber werden sie sich draußen nicht blicken lassen und
deshalb bei dem Mangel an Übung immer Stümper bleiben,
darum aber auch keine sonderliche Lust zum Fechten haben.
Das Seemannshandwerk ist eine Kunst wie nur eine, die man
nicht nur so gelegentlich nebenher treiben kann, sondern auf
die man sich mit ganzer Kraft verlegen muß.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.