1 Mit diesem Unfug machte man großenteils in Kerkyra
den ersten Versuch, mag man nun auf die Handlungen der
Rache sehen, welche sie an ihren Regenten verübten, die in
dieser Stellung mehr Stolz und Übermut als kluge Mäßigung
bewiesen und den Anfang mit harten Ahndungen machten;
oder auf die ungerechten Maßregeln, wozu andere die Begierde,
sich aus ihrer bisherigen Dürftigkeit zu reißen, oder vielmehr
die Sehnsucht nach ihres Nächsten Eigentum verleitete, oder
auf die unbändige Hitze, wodurch sich diejenigen, welche nicht
in der Absicht, sich zu bereichern, sondern wirklich das Recht zu
handhaben, jemandem zu Leibe gingen, hinreißen ließen, höchst
grausam und unerbittlich mit ihnen umzugehen. Bei dieser
allgemeinen Verwirrung in der Stadt, wo die Gesetze von den
natürlichen Neigungen der Menschen, die schon gewohnt sind,
auch bei wirklicher Gültigkeit der Gesetze doch dagegen zu
sündigen, gänzlich besiegt wurden, zeigte sich's frei, daß der
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Mensch, so wie er von Natur beschaffen ist, nicht Meister über
seine Leidenschaften sei, daß er sich nicht durch Begriffe von
der Gerechtigkeit in Schranken halten lasse, und daß er keinen
über sich leiden könne. Gewiß, man würde nicht die heiligsten
Pflichten dem Vergnügen an der Rache, noch das Bewußtsein,
niemand unrecht getan zu haben, zeitlichen Vorteilen aufopfern,
wo nicht der Neid eine so schädliche Gewalt über die Menschen
hätte. So aber pflegen die Menschen die allgemeinen Gesetze
dieser Art, auf welche sich alle Hoffnung ihrer eigenen Rettung,
wenn es ihnen mißlich geht, gründet, sobald es darauf an
kommt, sich an anderen zu rächen, gänzlich aufzuheben und
sich also selbst auf den Fall, daß sie etwan im Notstande der
selben benötigt sein sollten, ihren Schutz entziehen.^