„Wir dürfen ihnen also weder Hoffnung machen, daß sie
durch Ueberredung, noch auch, daß sie durch Geld sich Verzeihung
erwirken werden und Nachsicht, als hätten sie nur "menschlich gefehlt.
Denn es war ihr eigener Wille, uns zu schaden, und mit Wissen
haben sie zu unserem Verderben gearbeitet. Verzeihung verdient aber
nur, was ohne böse Absicht geschah. Was ich also das erste Mal
verfochten habe, dafür stehe ich auch jetzt ein und sage, daß ihr den
bereits gefaßten Beschluß nicht abändern dürft, und daß euch die
drei Dinge, die für jede Herrschaft das Gefährlichste sind, Erbarmung,
Reiz der Rede und glimpfliche Nachsicht, uicht zu einem Mißgriff
verleiten sollen. Mit mitleidigem Erbarmen soll man die Gesinnung
Gleichfühlender belohnen und es nicht gegen die verschwenden, die
kein Gegenerbarmen fühlen, sondern nothwendig immer uns feindselig
sein werden. Und die Redner, die euch durchaus mit schönen Worten
eine Freude machen wollen, mögen sich bei minder erheblichen Dingen
eine Gelegenheit zum Wettkampf suchen, und nicht da, wo die Stadt
einen kurzen Ohrenkitzel schwer wird büßen müssen, während ihnen
selbst ihre schönen Worte schöne Summen einbringen^). Glimps-
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liche Nachsicht aber ist mehr gegenüber Solchen am Platz, die sich
uns auch in der Zukunft voraussichtlich ergeben bezeigen werden, als
gegen solche, die nichts destoweniger unsere Freunde bleiben. Kurz,
wenn ihr mir folgt, so handelt ihr gerecht gegen die Mytilenäer und
zugleich zu eurem Vortheil; beschließt ihr aber anders, so werdet ihr
euch nicht nur den Dank Jener nicht verdienen, sondern auch euch
selbst das Verdammungsurtheil sprechen. Denn thaten jene Recht,
abzufallen, so käme es euch ja nicht zu, die Herrschaft zu führen.
Wollt ihr diese aber, auch wenn sie ungebührlich ist, trotzdem
festhalten, so müßt ihr natürlich entweder euren Vortheil wahren und
jene bestrafen, oder eure Herrschaft niederlegen und in Frieden und
Ruhe die Biedermänner spielen. Entschließt euch also, das euch
Zugedachte als Wiedervergeltung gegen sie zu wenden, und zeigt euch,
an denen die Gefahr vorübergegangen ist, nicht weniger empfindlich
als die, die euch so Schlimmes zugedacht. Bedenkt doch, wie sie
ganz gewiß gegen euch verfahren hätten, wenn sie Sieger geblieben
wären, zumal sie selbst mit dem Unrecht begonnen haben. Denn
wer ohne gerechte Ursache einem Andern Böses anthut, der ruht erst
mit dessen Vernichtung, weil er wohl sieht, welche Gefahr ihm droht,
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so lange der Feind noch auf den Füßen steht, und mit Recht, denn
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wer nur aus Uebermuth unnöthigerweise mißhandelt wurde, ist, wenn
er der Gefahr entgangen ist, viel erbitterter als der Feind gegenüber
dem offenen Feinde. Werdet also nicht Verräther an euch selbst!
Bringt euch die Vorstellung möglichst nahe, was ihr hättet zu leiden
gehabt, und wie ihr eure letzten Kräfte aufgeboten haben würdet,
ihrer Meister zu werden. Uebt nun die Wiedervergeltung, laßt euch
nicht von diesem Augenblicke weich machen, und vergeßt nichts wie
nahe das Unheil über euren Häuptern schwebte. Züchtiget diese nach
Verdienst und stellt sie den andern Bundesgenossen als deutliches
Beispiel vor Augen, daß, wer immer abfällt, den Tod leiden muß.
Wissen sie das einmal, so werdet ihr euch nicht mehr so oft mit den
eigenen Bundesgenossen herumshclagen müssen, während eure Feinde
gute Ruhe haben" A).
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