„Wären wir Alle jetzt noch unabhängig, so dürften wir
wohl mehr darauf vertrauen, daß sie an keine Aenderung des
Verhältnisses dächten. Da sie aber bereits die Mehrzahl-sich unterworfen
haben, mit uns aber wie mit ihres Gleichen verkehren müssen, so
wird es ihrem Stolze natürlich um so empfindlicher sein, daß wir
allein sogar jetzt noch auf gleichem Rechte mit ihnen stehen, nachdem
bereits die Mehrzahl sich ihnen untergeordnet Hai, und das um so
mehr, je mächtiger sie selbst dadurch geworden und je vereinsamter wir
sind. Die Furcht aber, den Gegner gleich stark zu finden, ist das
einzige feste Band der Bundesgenossenschaft; denn wenn sich auch Einer
noch so gern überheben möchte, so läßt er sich doch durch den Gedanken
zurückhalten, daß er nicht mit überlegener Kraft angreifen kann. Daß
uns aber die Unabhängigkeit gelassen wurde, hat keinen andern Grund,
als daß es ihnen zur Gewinnung der Oberherrschast förderlicher schien,
bei Vermehrung ihrer Macht immer nur mit einem scheinbaren
Rechtsgruude und mehr mit Staatsklugheit vorzugehen als mit Gewalt.
Zugleich hatten sie so auch einen Beweisgruud für die Gerechtigkeit
ihrer Sache, da sie sagen konnten, daß Bundesgenossen mit gleichem
Stimmrecht wohl nicht wider ihren Willen mit ihnen zu Felde
ziehen würden, wenn der von ihnen angegriffene Feind nicht im
Unrecht wäre. Zugleich aber auch sind sie zuerst mit Hülfe der
Stär
keren gegen die Schwächeren vorgegangen und haben sich die andern
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bis znletzt aufgespart, um dann an ihnen schwächere Gegner zu finden
als die übrige ihnen bereits unterworfene Macht. Hätten sie aber den
Anfang mit uns gemacht, zur Zeit da Alle noch ihre unabhängige
Macht besaßen und Jeder wußte, auf welche Seite er zu treten habe,
so wäre es mit dem Unterwerfen nicht so leicht gegangen. Außerdem
war es auch unsere Flotte, was sie scheuten, denn hätte sich diese mit
euch oder einem Andern in voller Schiffszahl vereinigt, so konnte sie
gefährlich werden. Zum Theil blieben wir auch deßhalb verschont,
weil wir sowohl ihrem Gemeinwesen gegenüber als auch gegen ihre
ersten Staatsmänner 9) uns immersort dienstbeflissen zeigten. Wir
hätten uns aber wohl nicht mehr lange aufrecht erhalten können, wäre
nicht der jetzige Krieg ausgebrochen; das ließ sich am Beispiele der
Andern abnehmen." ,