Und wie der Herrscher zagend uns geboten, geh'n
Wir hin, zu spähen, und im Hintergrunde tief
1185
Sah'n wir die Jungfrau schweben, die den Hals sich fest
Zum Tod umschlungen mit des Schleiers zartem Band,
Und sah'n den Jüngling, der die Braut umfangen hielt,
Ihr Loos bejammernd, die hinab geschwunden ihm,
Des Vaters Unthat und den unheilvollen Bund.
1190
Doch Kreon, ihn erblickend, stöhnt schmerzvoll und geht
Zum Sohn hinein und ruft ihm lautaufweinend zu:
„Ha, was begannst du? Welcher Geist, Unseliger,
Ergriff dich? Welches Mißgeschick verderbte dich?
O komm heraus, Kind! Auf den Knie'n beschwör' ich dich!"
1195
Mit wildem Auge starrt der Sohn den Vater an,
Voll Hohn im Antliz, und erwidert nichts, und zieht
Des Schwertes Doppelschneide; doch der Vater stürzt
Hinaus und flicht; er fehlt ihn; dann, auf sich ergrimmt,
Stößt, wie er war, der Arme, drüber hingebeugt,
1200
Das Schwert sich mitten durch die Brust; hierauf umschlingt
Er, noch bei Sinnen, seine Braut mit mattem Arm,
Und schneller athmend strömt er ihr den scharfen Hauch
Blutrother Tropfen auf die bleichen Wangen aus.
So liegt er eine Leiche bei der Leiche, weh!
1205
Empfängt der Ehe Weihen in des Todes Haus,
Und zeigt den Menschen, daß die Unbesonnenheit
Der Uebel allergrößtes sei für Sterbliche.