Euripides Iphigenia in Aulis 1336-1629

ed. Gilbert Murray

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Iphigenia in Aulis. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

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Current edition Perseus

Ἰφιγένεια ἐν Αὐλίδι (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. III. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1920-1978))

Translations (3)
Iphigenia at Aulis Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.)) — 1336-1627 focus
Iphigenia in Aulis (OCR draft) Experimental (Iphigenia in Aulis. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1336 focus
Mich jammert dein, daß dieses unheilvolle Loos
Auf dich hereinbrach; hatt' es dich niemals ereilt!
Mutter, du, die mich geboren! Mannerschaaren seh' ich dort.
Was ich ruhig überlegend, Mutter, aussann, hore nun:
Sterben ist mein fester Vorsaz, und vollenden will ich es
1355
Auch mit Nuhm, unedle Regung tilgend aus der edlen Brust.
Drum erwåge du mit uns jezt, Mutter, ob ich's wohl bedacht:
Mir hat Hellas' ganzes großes Volk die Blicke zugewandt,
Und auf mir ruht seiner Schiffe Fahrt und Troja's Untergang;
Mir verdankt es, wenn ein Fremdling künftig buhlt um seine Fraun,
1360
Daß er sie nicht mehr von Argos' sel'gem Land wegrauben darf,
Wann um Helena's Entführung Ilion Verderben traf.
Dieses Alles werd' ich sterbend schirmen, und mein Name lebt,
Weil ich Hellas' Volk befreite, selig fort in Ruhmesglanz.
Denn wozu sollt' auch das Leben mir vor Allem theuer sein?
1365
Allen hast du mich geboren, allem Volk, nicht dir allein.
Viele tausend Männer werden, mit dem Schild am Arm
Tausend' auch, des Ruders kundig, sühnend unsers Landes
bewehrt,
Schmach,
Muthig auf den Feind sich sturzen, in den Tod für Hellas gehn:
Ich, ein einzig Leben, würde diesem Allem hinderlich?
1370
Wäre das gerecht, und welches Wort erwiedern könnt' ich hier?
Dieses auch noch laß mich sagen: nicht des Weibes wegen darf
Er zum Kampf mit allem Volke schreiten und zu Grunde gehn;
Denn der eine Mann verdient das Leben mehr als tausend
Fraun.
Und wofern als blutend Opfer Artemis mein Leben will:
1375
Soll ich ihr entgegentreten, Göttern ich, die Sterbliche?
Nein! Unmöglich! Hellas geb' ich meinen Leib zum Opfer hin.
Schlachtet mich, zerstdret Troja! Denn ein Denkmal ist mir das
Ewig, das sind meine Kinder, meine Hochzeit und mein Ruhm.
Hellas' Volke sei der Fremdling unterthan, doch, Mutter, nie
1380
Frohne Hellas' Volk den Fremden; Knechte sind sie, Freie wir!
Wohl zeugt, o Jungfrau, dein Entschluß von edlem Sinn;
Doch grausam ist das Schicksal, grausam Artemis.
Was nezen Thränen, Mutter, still das Auge dir?
So führt mich hin, Ilion's,
Phrygia's Bezwingerin!
1455
Reicht Blumenkronen, mich zu kranzen;
Diesem Haare ziemt ein Kranz.
Sprenget heilig Wasser,
Und tanzet um den Tempel,
Um den Altar, Artemis,
1460
Artemis, die selige
Herrscherin besingend, daß ich, wenn es gilt,
Tilge das Gottesorakel
Durch mein Blut, mein Opfer.
Die Stadt des Perseus russt du, die
Kyklopenhånde gründeten.
1475
O Tyndaride, Klytamnestra, tritt hervor
1505
Aus diesem Zelte, daß du hörst des Boten Wort.
Da nahm der Priester seinen Stahl und betete,
Und nach dem Halse spåht' er, wohl we zu treffen ihn.
Mich überfiel schmerzvolle Wehmuth, und ich stand
Nachsinnend; plötzlich bot sich uns ein Wunder dar;
Denn deutlich hörte Jeder wohl des Schlages Fall,
1555
Doch schaute Niemand, wo hinab das Mädchen schwand.
Da schrie der Opferpriester, schrie das ganze Heer,
Als unvermuthet ihrem Aug' ein Bild erschien,
Ein gottgefandtes, das, gesehn, nicht Glauben fand.
Denn bange zappelnd lag ein Hirsch am Boden da,
1560
Groß anzuschaun und wunderherrlich, dessen Blut
In Stråmen rings der Göttin Opferherd benezt.
Und Kalchas nun - mit welcher Freude, meinst du? - rief:
Ihr Herrn von Hellas' hier vereinter Kriegesmacht,
Erblickt ihr dort. das Opfer, das zum Festaltar
1565
Gesandt die Göttin, einen Hirsch der Bergeshohn?
Anstatt der Jungfrau wählt sie den zum Opfer sich,
Daß nicht den Altar edles Blut entheilige.
Freudvoll empfing sie solches, gibt uns guten Wind
Zur Fahrt, verginnt uns Ilion's Eroberung.
1570
Drum fasset Muth, ihr Schiffsgefährten all', und geht
Zu Schiffe; denn an diesem Tage müssen wir
Von Aulis' hohler Winkelbucht abziehen und
Aegåermeer durchsegeln. Als das Opferthier
In Feuersgluten ganz verbrannt zur Kohle war;
1575
Da fleht' er ziemend, daß die Seefahrt glucklich sei.
Mich sendet Furst Agamemnon, das dir kundzuthun,
Zu sagen, welch ein Schicksal Götter ihr verliehn,
Und daß ihr Ruhm in Hellas unvergånglich sei.
Ich war zugegen, sah es, und verkunde dir's;
1580
Gewiß, zum Siz der Götter ist dein Kind entschwebt.
Laß denn die Trauer, und dem Gatten zurne nicht.
Unvorgesehn kommt über Menschen Gottes Rath;
Er rettet, wen er lieb hat. Dieser Tag, o Frau,
Sah deine Tochter sterben und zum Lichte fliehn.
1585
Kind, welcher Unsterbliche hat dich entruckt?
Wie red' ich dich an?
Was sag' ich? Die Botschaft wurde doch nicht,
1590
Mich zu trösten, erdacht, mir den traurigen Gram
Um dich aus der Seele zu bannen?
Der Tochter wegen sind wir hochbegluckt, o Frau;
Denn wahrlich unter Göttern ist ihr Aufenthalt.
Du fass' in deinen Armen nun dies junge Reh,
(auf seinen Sohn Orestes zeigend)
Und eile heimwårts; denn das Heer gedenkt der Fahrt.
Leb wohl! Nach langen Monden red' ich wiederum
1600
Zu dir, von Troja kommend; migst du glucklich sein!
Freudvoll zieh' hin in der Phryger Gebiet,
Sohn Atreus'; freudvoll kehre zurück
Mit der herrlichsten Beute von Troja!